Wie kommen die Briten zu Serien wie Cracker, Mistresses, Skins oder Misfits, obwohl sie ein Fernsehsystem haben, das unserem gar nicht einmal so unähnlich ist? Was sind die kleinen, aber ausschlaggebenden Besonderheiten? Christian Junklewitz mit Teil 2 unseres UK-Berichts.http://www.serienjunkies.de/news/wie-die-24857.htmlIm ersten Teil unserer Analyse zu den Entstehungsbedingungen britischer Qualitätsserien hatten wir uns zunächst einige der Besonderheiten der britischen Seriengeschichte angesehen, die sie insbesondere vom Verlauf der Serienentwicklung in den Vereinigten Staaten absetzt. Allen voran: Die große Konstanz, mit der in England Quality Television Series bereits seit den 50er Jahren regelmäßig hergestellt worden sind. Im zweiten Teil wollen wir nun einen Blick auf den institutionellen Kontext werfen, der dies überhaupt möglich macht.
Da es in Großbritannien schon viel länger als beispielsweise in Deutschland ein Duales Rundfunksystem bestehend aus der öffentlich-rechtlichen BBC und privaten Fernsehanbietern - allen voran ITV - gibt, ist anzunehmen, dass der Wettbewerb zwischen den Sendern hier eine Rolle spielt. Ebenso müssen wir uns den Einfluss anschauen, den Politik und Regulierungsbehörden auf das britische Fernsehen ausüben.
Möglicherweise noch entscheidender ist jedoch ein anderer Faktor: Etwas, das ich gerne Public Service Ethos nennen möchte. Darunter verstehe ich die Auffassung, dass Rundfunk und Fernsehen eine öffentliche Aufgabe sind und damit nicht allein den Gesetzen des Marktes überlassen sein dürfen. Vielmehr besteht eine öffentliche Verantwortung dafür, sicherzustellen, dass im Fernsehen genug Raum für Kunst, Kreativität und Programme für Minderheiten bleibt.
Rundfunk als öffentlicher Dienst
Um zu begreifen, was damit genau gemeint ist, empfiehlt es sich, einmal ganz an den Anfang der britischen Rundfunkgeschichte zurückzugehen: 1922 wurde die British Broadcasting Company - oder kurz: BBC - gegründet. Hinter dem zunächst rein privatwirtschaftlichen Unternehmen stand eine Gruppe von Radiogeräte-Herstellern, die - zur eigenen Absatzsteigerung - jeweils ein eigenes Radioprogramm hatten betreiben wollen. Nur dass es nicht genug freie Frequenzen für alle Hersteller gab. Deshalb regte das britische Post Office, das für die Vergabe der Frequenzen verantwortlich war, folgende Lösung an: Die Hersteller sollten sich zusammentun, um einen gemeinsamen Radiosender zu betreiben. Im Gegenzug wollte das Post Office sicherstellen, dass besagtes Konsortium de facto eine Monopolstelllung auf dem britischen Radiomarkt erhielt.
Gesagt, getan. Finanziert werden sollte die BBC über Aktienerlöse, einen Anteil am Geräteverkaufspreis und eine Rundfunkgebühr, die je Gerät vom Post Office (!) eingezogen werden sollte. Eine staatliche Behörde, die für ein privates Unternehmen den Geldeintreiber spielt! Wer das schon merkwürdig findet - keine Bange: Es kommt gleich noch seltsamer.
Als privatwirtschaftlich organisierter Sender hätte die BBC ja eigentlich auch Werbung senden können. Das tat sie aber nicht, was nicht zuletzt am ersten General Manager des Senders lag: John Reith war ein zutiefst von religiösen und moralischen Grundsätzen geprägter Mann, für den der Rundfunk eine nationale Ressource war; viel zu wichtig, um ihn irgendwelchen kommerziellen Interessen zu überlassen.
Reith war es, der Mitte der 20er Jahre wahrscheinlich als erster die Prinzipien formulierte, die für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Europa maßgeblich werden sollten: Demnach sollte die BBC ein Programm für jeden Bürger herstellen, dabei den höchsten Standards gerecht werden und die größtmögliche institutionelle wie redaktionelle Unabhängigkeit besitzen: Weder der Staat noch die Wirtschaft sollten in der Lage sein, auf das Programm Einfluss zu nehmen. Entsprechend durfte der Sender nicht durch Werbung finanziert werden. Außerdem sah es Reith als unabdingbar an, dass die BBC ein Monopol haben müsse, weil jede Art von Wettbewerb automatisch dazu führen würde, dass Abstriche bei der Qualität gemacht werden müssten.
Da die BBC unter diesen Bedingungen natürlich kaum Profite abwarf, verloren die Eigentümer des Senders schon sehr bald das Interesse an dem Unternehmen und konzentrierten sich wieder ganz auf die Geräteproduktion. 1927 wurde die BBC in eine Institution des public service umgewandelt - und erhielt auch einen neuen Namen (bei gleichbleibendem Akronym): British Broadcasting Corporation. Rechtsgrundlage für die BBC war fortan eine königliche Charta, in der jeweils für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren die Aufgaben und Ziele der öffentlich-rechtlichen Einrichtung festgelegt wurden. Neben Information, Bildung und Erziehung gehört hierzu auch explizit die „Förderung von Kreativätät und kulturellen Spitzenleistungen“.
Was die Gründungsgeschichte der BBC für unseren Zusammenhang so interessant macht, ist die Gemengelage von staatlichen und kommerziellen Kräften, die dabei zusammenkamen, jedoch am Ende von einer ethisch motivierten Konzeption von Rundfunk überformt wurde. Bis zu einem gewissen Grad ist dies geradezu prototypisch für den Gang der britischen Rundfunk- und Fernsehgeschichte. Obwohl Großbritannien als Wiege des Kapitalismus alten Zuschnitts gilt, hat man sich doch bei der Etablierung der Einrichtungen von Radio und Fernsehen eines Modells bedient, das mit dem freien Markt nur sehr wenig zu tun hat.
Wettbewerb - oder so ähnlich...
Das heisst nicht, dass nicht auch der Gedanke des Wettbewerbs bei der gesetzlichen Rahmensetzung in Großbritannien eine gewichtige Rolle gespielt hätte: Wie beispielsweise bei der Gründung von ITV. Bis Anfang der 50er Jahre hatte die BBC sowohl im Radio als auch im Fernsehen das unumschränkte Monopol. Schließlich wurden jedoch in der Politik Stimmen laut, die im Fernsehen Wettbewerb und vor allem eine Auswahlmöglichkeit für das Publikum forderten. Die BBC stand in dieser Zeit im Ruf, sehr paternalistisch und damit bevormundend aufzutreten, wodurch die Forderung nach einem weiteren, von der BBC unabhängigen Sender als eine Forderung nach mehr Demokratie begriffen wurde.
Umgekehrt stand man aber auch dem Gedanken eines durch und durch kommerziellen Programms reserviert gegenüber. Dabei hatte man vor allem das Fernsehen in den USA als abschreckendes Beispiel vor Augen. Als 1953 Berichte publik wurden, dass die Ausstrahlung der Krönungszeremonie von Queen Elizabeth II. im amerikanischen Fernsehen durch Werbespots (unter anderem für Deodorant und Matratzen) unterbrochen worden war, führte das zu empörten Reaktionen in der britischen Öffentlichkeit. Einerseits stand die Forderung nach einem anderen, einem kommerziellen Fernsehen im Raum - mit dem Warmlaufen der britischen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg waren es nicht zuletzt viele Unternehmen, die nach neuen Werbemöglichkeiten suchten. Andererseits durfte das kommerzielle Fernsehen auf keinen Fall dem amerikanischen Vorbild folgen.
1954 verabschiedete das britische Unterhaus schließlich ein neues Fernsehgesetz, welches einen Kompromiss zwischen Gegnern und Befürwortern des kommerziellen Fernsehens darstellte: Privatfernsehen sollte erlaubt werden, aber unter Bedingungen, wie es sie sonst wohl nirgendwo auf der Welt gab.
Als oberste Instanz des neuen Privatfernsehens setzte die britische Regierung die Independent Television Authority (ITA) ein, die den Auftrag hatte, dafür zu sorgen, dass das neue Programm informiert, bildet und unterhält. Wem dieser Satz bekannt vorkommt: Genau das ist in Deutschland der Programmauftrag der Öffentlich-Rechtlichen! Ferner oblag es der ITA die Lizenzen für das Privatfernsehen zu vergeben. Lizenzen, also Plural, weil ITV nicht von einem einzelnen, landesweiten Sender, sondern als Gemeinschaftsprogramm von vielen Regionalsendern betrieben werden sollte. Hintergrund dafür war, dass man die BBC als zu sehr London zentriert ansah - und das neue Programm eine stärkere Verankerung in den einzelnen Regionen haben sollte. Also wiederum ein typisch öffentlich-rechtlicher Gedanke.
1955 ging ITV zum ersten Mal auf Sendung, ab 1962 konnte das Programm flächendeckend empfangen werden. Aufgeteilt war das Sendegebiet in 14 Regionen, in denen jeweils ein anderer Betreiber tätig war (gegenseitige Aufkäufe waren untersagt). In London wurde die Lizenz sogar geteilt: Hier sendete ein Betreiber an den Werktagen, der andere (mit dem bezeichnenden Namen London Weekend Television, LWT) am Wochenende. Im Grunde war ITV damit eine werbefinanzierte Variante der deutschen ARD. Allenfalls noch ein bißchen komplizierter.
Nach offizieller Diktion ist ITV - auch heute noch ! - ein public service broadcaster, der sich zwar über Werbung finanziert, aber in der Pflicht und Verantwortung steht, im öffentlichen Interesse zu agieren (das heisst zum Beispiel, ein vielfältiges Programmangebot zusammenzustellen).
Ende der 50er Jahre konnte ITV der BBC vor allem mit billigen Talk- und Spielshow-Formaten sowie US-Einkäufen massiv Zuschauer abjagen. Daraufhin schritt Anfang der 60er Jahre noch einmal der Gesetzgeber ein und weitete die Befugnisse der Kontrollbehörde ITA erheblich aus - mit dem Ziel, den public service Gedanken des Senders zu stärken. Wenig verwunderlich fing ITV genau zu dieser Zeit damit an, unter anderem die gefeierte Theaterserie Armchair Theatre sowie die sozialrealistisch gehaltene Soap Opera Coronation Street auszustrahlen. Beides Formate, die Popularität und Anspruch miteinander verbinden sollten.
Damit setzte in den 60er Jahren eine geradezu paradoxe Entwicklung ein: Während ITV unter dem Druck der Aufsichtsbehörde ITA der BBC ähnlicher wurde, was sich insbesondere in ihrem Bemühen um qualitativ hochstehende Dramaserien widerspiegelte (genau in jene Zeit fällt beispielsweise The Prisoner!), musste die BBC etwas populärer und damit ITV ähnlicher werden, um Zuschauer zurück zu gewinnen. Letztlich standen beide Sender damit gleichermaßen unter dem Druck, einerseits im Wettbewerb miteinander bestehen zu müssen, aber andererseits auch den public service Vorgaben aus der Politik gerecht zu werden.
Resultat dieser Entwicklung war ein Duopol beider Sender, die zwar in einem Wettbewerb um die Gunst der Zuschauer miteinander standen, sich dabei aber gleichzeitig aus völlig unterschiedlichen Quellen finanzierten: Die BBC hatte das Monopol auf die Rundfunkgebühren. ITV hatte das Monopol auf TV-Werbung. Daraus folgte für beide eine Politik des leben und leben lassen. Man konkurrierte zwar um die Zuschauer, aber solange sich beide den Kuchen etwa zur Hälfte teilten, ließ jeder dem anderen genug Freiraum, um auch künstlerische Experimente wagen zu können.
Channel 4 - Melting Pot der TV-Systeme
Das reichte der britischen Medienpolitik aber noch nicht. Nach Meinung der englischen Politiker hatten es sich BBC und ITV mit ihrem Duopol bis Ende der 70er Jahre viel zu gemütlich gemacht. Wo blieb das wirklich gewagte Fernsehen, welches sich auch nicht davor scheut, für Minderheiten zu senden? Diese Aufgabe wurde einem neuen Sender zugewiesen, der 1982 erstmals auf Sendung ging: Channel 4.
Die britische Rundfunkgeschichte hatte bis zu diesem Zeitpunkt schon einige Kuriositäten hervorgebracht: Ein öffentlich-rechtlicher Sender, der zuerst ein Privatsender war (BBC). Ein Privatsender, an dem alles bis auf die Werbeeinnahmen öffentlich-rechtlich war (ITV). Channel 4 setzte diese stolze Tradition von Mischformen fort und wurde zu einem Sender, der sich komplett in öffentlichem Besitz befindet, aber gleichzeitig vollständig aus Werbung finanziert, die jedoch nicht mehr als die Kosten des Senders decken muss.
Die Gründung von Channel 4 sollte für beide etablierten Sender ein Schuss vor den Bug sein: Die BBC war fortan nicht länger der einzige öffentlich-rechtliche Sender. ITV war nicht länger die einzige Anlaufstation für die Werbetreibenden in Großbritannien. Neben Sendungen für Minderheiten schrieb die Politik als öffentlich-rechtlichen Programmauftrag von Channel 4 ausdrücklich die Produktion experimenteller Formate fest. Wen wundert es also, dass Serien wie Queer as Folk, Shameless oder Skins im Auftrag von Channel 4 hergestellt wurden bzw. werden? Darüber hinaus ist der Sender in Großbritannien auch die Heimat von vielen US-Serien wie Desperate Housewives oder Lost, die angesicht der Stärke einheimischer Serien auf der Insel kaum mehr als den Status von „Minderheitenprogrammen“ genießen.
Fazit
Es würde zu weit führen, an dieser Stelle eine umfassende Darstellung der britischen Rundfunkgeschichte geben zu wollen. Deshalb sei an dieser Stelle nur kurz darauf verwiesen, dass sich natürlich vieles in den letzten zwei Jahrzehnten auch im britischen Fernsehen geändert hat. Mit dem neuen Fernsehgesetz von 1990 wurde Channel 4 teilweise privatisiert (obwohl sich das Unternehmen immer noch im öffentlichen Besitz befindet; über eine Veräußerung wird seit einiger Zeit debattiert).
Die regionale Streuung der ITV wurde zunehmend aufgehoben. Seit 2003 haben sich - mit Ausnahme weniger Regionen wie Schottland und Nordirland - alle ITV-Stationen zu einem einzigen Unternehmen zusammengeschlossen. Statt über Vorgaben der Regulierungsbehörde nimmt die Politik heute über Anreize Einfluss auf das Programm von ITV: Für die Ausstrahlung von public service Sendungen wie Regionalnachrichten, Kultursendungen und Dokumentationen erhält der Sender im Gegenzug Vergünstigungen, beispielsweise bei der Frequenzzuteilung.
Durch das Satellitenfernsehen (BSkyB) und die Digitalisierung sind seit den 80er Jahren eine Vielzahl von rein kommerziell operierenden Konkurrenten auf den britischen Fernsehmarkt eingetreten.
Trotzdem möchte ich argumentieren, dass für die Art der Fernsehserien, die in Großbritannien seit den 50er Jahren hergestellt wurden, die Prägung entscheidend ist, die das britische Rundfunksystem seit seinen Anfangstagen erfahren hat - und welche man als einen kontrollierten Wettbewerb beschreiben könnte. Niemals ließen die Briten einfach nur den freien Markt gewähren. Stattdessen wird Fernsehen unter dem Gesichtspunkt des public service verstanden: Fernsehen ist ein öffentlicher Dienst, eine öffentliche Aufgabe, zu der - und das wird stets beim Begriff des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mitgedacht - die Verpflichtung gehört, innovative, herausfordernde, gewagte Programme herzustellen.
Und das ist keineswegs nur ein Gedanke, der in der britischen Politik verbreitet ist - und deshalb zu den hier genannten Maßnahmen auf gesetzgeberischem und regulatorischem Gebiet geführt hat. Es entspricht auch dem Selbstbild, dass die britischen TV-Macher von sich selbst haben - und dem Bild, das ihnen aus dem breiteren gesellschaftlichen Umfeld vorgehalten wird.
Dazu zwei aktuelle Beispiele: Vor wenigen Wochen wurde David Abraham als neuer Chef von Channel 4 verpflichtet. Wie das Branchenblatt Broadcast berichtet, hat er bei seinem Vorstellungsgespräch gegenüber dem Aufsichtsrat ausdrücklich ein Bekenntnis zum public service Charakter des Senders abgegeben, wozu für ihn vor allem „die Vielfalt der Meinungen und die Produktion innovativer Sendungen“ gehört. Angeblich denkt Abraham darüber nach, eine ganze Reihe von Channel-4-Redakteuren auszuwechseln, um durch frisches Blut sicherzustellen, dass die Produktionen des Senders nicht „schal“ werden. Wohlgemerkt: Die Rede ist von dem Sender, der derzeit - über seinen Digital-Ableger E4 - Serien wie Skins und Misfits zu verantworten hat!
Beispiel Nr. 2: Vor wenigen Tagen ermahnte Eddie Berg, der künstlerische Direktor des British Film Insitute (BFI), die BBC dazu, bei ihren Drama- und Comedyserien größere Risiken einzugehen. Vorbild dabei müsste der amerikanische Pay-TV Sender HBO sein, der „viele Dinge macht, die man von einem öffentlich-rechtlichen Sender erwarten würde.“
Anders als in den USA ist in Großbritannien nicht so sehr das Wechselspiel aus Wettbewerb und Regulation der Ursprung der Qualitätsserien. Vielmehr zeigt der Rundgang durch die britische Rundfunkgeschichte, dass es eine die Jahrzehnte überdauernde, von breiten Teilen der Gesellschaft getragene Vision von Fernsehen gibt, in deren Mittelpunkt der Gedanke des public service steht, dem - über den kommerziellen Wettbewerb hinaus - ein Wert an sich zugesprochen wird - und zu dem ausdrücklich auch die künstlerische Innovation gezählt wird.
Nächste Woche: Die Stellung des Autors im britischen Fernsehen.
3 Kommentare| hellfeyer schreibt vor 7 Monate schon der start war gut, hier nun die gelungene fortsetzung. es ist fast unmöglich, die britischen zustände zu rekapitulieren, ohne die deutschen im hinterkopf zu haben - fast scheint es, als sei der artikel auch in diesem sinne geschrieben... whatever: für mich bleibt vor allem der eindruck, dass neben dem rein marktgesteuerten prozess eine institution, die vom kopf herab von einer starken vision (aka verantwortungsgefühl) getragen wird, ebensoviel qualität produzieren kann wie eine werbefinanzierte umgebung, wenn nicht mehr. es wäre in diesem kontext auch die bestätigung eines gängigen urteils: filme- und tv-machen ist keine demokratie - ohne einen visionär, der entweder idee oder geld mitbringt, ist etwas visionäres nicht zu bekommen. viele köche verderben nun mal den brei, stoffe werden zerredet, abgeschliffen, auf konvention getrimmt. übrig bleibt dann per se eine schlechte kopie. bleibt der bildungs-etc.-auftrag der öffentlich-rechtlichen. wenn der ernster genommen würde, wir hätten besseres tv. bin gespannt auf den dritten, "autoren"-teil. kommen wir langsam zum pudels kern! |
| Serenity schreibt vor 7 Monate Es ist auch einfach kulturell ein riesiger Unterschied. In Deutschland gibt es in sämtlichen Kunstbereichen eine idiotische Trennung zwischen Unterhaltung und ernster, btw. "echter" Kunst (E-...). Sei es Literatur, Film, Fernsehen, Musik oder Theater. Das ist der Grund weshalb es hier keine richtigen, institutionelle Rezensionen der Popkultur gibt und zieht sich bis in praktisch alle Schichten hinein. Gerade der ÖR Rundfunk ist hiervon geprägt. In GB wollte man dagegen einfach gute Unterhaltung produzieren und durfte das auch. Machen TV-Verantwortlichen hier und vor allem den Autoren ist inzwischen gedämmert, dass Unterhaltung und Anspruch oder Intelligenz kein Widerspruch sein müssen, aber die Produktionen, die das wirklich umsetzen sind verdammt selten. |
| wibi44 schreibt vor 7 Monate Wir vergessen immer zwei Dinge, die für mich entscheidend für die Struktur des brittischen Fernsehens und Rundfunks sind. Zum einen, die stolze Eigensinnigkeit der einstmals größten Weltmacht, die es auf unserer Erde gab und zum anderen, dass die Briten auf einer Insel leben. Ich weiss, das hört sich vielleicht ein wenig komisch an, aber das Fehlen eines ständigen Bezugspunktes zu europäischen Nachbarn und der langen Ost-West-Spaltung Europas führt zu einer wohltuenden Isolation. Darüber hinaus war die BBC schnell weltweit tätig und damit bemüht, den brittischen Lebensstil überall hinzubringen. Auch ITV wurde recht früh im Vergleich zu kommerziellen Sendern in Europa gegründet. Und es konnte sich sozusagen voll auf kommerzielle Sendungen konzentrieren. Trotzdem blieb auch bei ITV der Gedanke des Qualitätsfernsehens erhalten - man vergleiche damit nur mal die recht kurze Lebenszeit von ProSiebenSAT.1-Media und dem vielen Schrott, die diese Sendergruppe produziert. Somit blickt Großbrittannien auf eine duale Sendertradition von mehr als 50 Jahren zurück. Dass sich unter den gegebenen Voraussetzungen Channel 4 gut mit sogenannten "Sonderprogrammen" etablieren konnte, war eigentlich kein Wunder. |
Christian Junklewitz veröffentlichte diese Meldung am Montag, 8.Februar 2010 12.00 Uhr
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