Dieser Tage tobt ein Streit zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern auf der einen Seite und den Kabelnetzbetreibern auf der anderen: Es geht natürlich mal wieder um das liebe Geld. Aber vielleicht sogar noch mehr um die Frage, wie die Machtbalance in der zukünftigen Medienwelt aussehen wird.Bislang verhält es so: Die Sender bezahlen in Deutschland den Kabelnetzbetreibern eine Einspeisegebühr, damit ihr Signal von diesen jeweils bis zum Kabelendkunden weitertransportiert wird. Im Gegenzug erhalten die Sender eine Urheberrechtspauschale von den Netzbetreibern dafür, dass sie diesen ein Signal überlassen, welches urheberrechtlich geschützte Inhalte übermittelt. Diese beiden Entgelte heben sich aber nicht auf. Am Ende bleibt ein Plus bei den Kabelnetzbetreibern.
Im Grunde ist es das exakte Gegenteil von dem, was wir aus den USA kennen: Dort erhalten Kabelsender wie USA Network, SyFy oder AMC von den Netzbetreibern Geld, damit diese die Programme der Sender überhaupt ihren Kunden anbieten dürfen. Die Produktion von Serien wie Mad Men oder Breaking Bad wäre allein aus Werbeeinnahmen ja auch nicht zu finanzieren. Dass die Kabelsender solche Serien trotzdem anbieten können, liegt daran, dass sie nicht nur durch Werbung, sondern auch durch dieses indirekte Pay-TV Einnahmen verbuchen können.
So ähnlich würden sich das auch gerne die Sender in Deutschland wünschen. Einen ersten Anfang hat die ARD gemacht. Deren Intendant Peter Boudgoust erklärte gegenüber dem Digitalmagazin, dass die Öffentlich-Rechtlichen keine Einspeisegebühren für ihre neuen HDTV-Angebote an die Kabelnetzbetreiber entrichten wollen. Die Argumentation (ähnlich den US-Sendern): Als Sender bietet die ARD etwas an, das das Kabel für die Kunden der Netzbetreiber attraktiver macht. Das entschädige die Netzbetreiber bereits hinreichend für alle Kosten, die ihnen durch den Betrieb des Kabelnetzes entstehen.
Das sehen die Netzbetreiber natürlich ganz anders. Thomas Braun, Präsident des Branchenverbands ANGA (Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber), bezeichnete die Ankündigung des ARD-Vorsitzenden als einen unzulässigen „Eingriff in etablierte Geschäftsmodelle privater Kabelunternehmen“. Was Braun besonders empört: Für die Verbreitung des Signals via Satellit oder DVB-T bezahlen die Sender schließlich auch eine Gebühr. Es sei eine „durch nichts zu rechtfertigende und völlig inakzeptable Position“, den Kabelnetzbetreibern eine Beteiligung an den Übertragungskosten verweigern zu wollen.
Was Braun nicht erwähnt: Einen Unterschied zwischen Kabel auf der einen und DVB-T und Satellit auf der anderen Seite gibt es natürlich schon - für DVB-T und Satellit muss der Endkunde keine monatliche Gebühr bezahlen. Die Argumentation der Sender verläuft deshalb auch so, dass sie sagen, dass die Netzbetreiber doch schon bei den Endkunden abkassieren. Da ist es schwer einzusehen, warum die Sender dafür noch etwas zuschießen sollen.
Eine noch mal gänzlich andere Perspektive auf den Konflikt haben die mittelständischen Kabelnetzbetreiber. Anders als die großen überregionalen Anbieter wie Kabel Deutschland oder Unitymedia, die in der ANGA organisiert sind, befürworten diese den Wegfall der Einspeisegebühr. Tatsächlich, so argumentiert Heinz-Peter Labonte vom FRK (Fachverband für Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen), seien die kleinen Netzbetreiber durch die bisherige Praxis erheblich benachteiligt worden, weil bei ihnen das Verhältnis von Einspeisegebühr zu Urheberrechtsgebühr negativ ausfällt. Ein Wegfall der Einspeiseentgelte würde für sie einen Wettbewerbsnachteil aus dem Weg räumen.
Man darf gespannt sein, wer sich bei diesem Poker der unterschiedlichen Macht- und Finanzinteressen am Ende durchsetzen wird. Den Sendern könnte - wenn man sich das Beispiel USA vor Augen hält - ein Wegfall der Einspeisegebühren neue finanzielle Spielräume eröffnen, die sich dann auch in entsprechenden (Serien-) Produktionen niederschlagen könnten.
2 Kommentare| wibi44 schreibt vor 8 Monate Das deutsche System der Einspeisegebühren hat mich schon immer den Kopf schütteln lassen. Mich wundert sowieso, warum sich die Sender das noch gefallen lassen, zumal die Kabelnetzbetreiber ja schon recht hohe Gebühren beim Endkunden verlangen - je nach Netz zwischen 16 und 20 Euro pro Monat. Damit sollte ein Kabelnetz locker betrieben werden können. |
| Nenalgen schreibt vor 8 Monate "Eingriff in etablierte Geschäftsmodelle" Der war gut! Man stelle sich vor, die Postkutschenbauer hätten sich mit diesem Argument durchgesetzt... |
Christian Junklewitz veröffentlichte diese Meldung am Dienstag, 26.Januar 2010 08.00 Uhr
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