Was haben amerikanische Serienautoren ihren deutschen Kollegen voraus? Welche Gründe lassen sich für die Überlegenheit der US-Produktionen anführen? Was ist faul im Serien-Land Deutschland? Über diese und weitere Fragen wurde in Berlin auf einer Tagung des Verbands deutscher Film- und Fernsehdramaturgen diskutiert. Kathi Gormász war für Serienjunkies vor Ort.Unter dem Titel FilmStoffEntwicklung lud der Verband deutscher Film- und Fernsehdramaturgen am 19. September 2009 zum Tag der Dramaturgie in die Werkstatt der Kulturen in Berlin Neukölln. Im Mittelpunkt der Tagung standen Fragen der Spielfilmdramaturgie. Aber auch Dokumentarfilm, Computerspiel und nicht zuletzt die TV-Serie fanden Eingang in das eintägige Programm.
Eingeführt in die bunte Welt der US-Serie wurden die Tagungsteilnehmer mit drei aktuellen Beispielen: der soeben auf FOX gestarteten Muscial-Serie Glee von Nip/Tuck-Schöpfer Ryan Murphy, dem neuesten Showtime-Dramedy Nurse Jackie rund um Edie Falco als tablettensüchtige Krankenschwester und der weniger amerikanischen denn kanadischen (und in Redaktionskreisen bisweilen sehr geschätzten) Timetravel-Serie Being Erica.
Die Frage „Wirklich nur Flops?, mit der die Diskussion zur Praxis der Serienentwicklung eröffnet wurde, richtete sich indes nicht an die Produktionen aus dem angelsächsischen Raum. Während die Kollegen in Übersee alles richtig zu machen scheinen, wird hierzulande in Fortsetzung versagt. Die Lust, mit der in Fachkreisen nunmehr seit Jahren über das Scheitern der deutschen Serie gesprochen wird, weist nahezu masochistische Züge auf. Und so gab die bescheidene Qualität und mangelnde Attraktivität der Fernsehserie „Made in Germany auch an diesem Samstagmorgen Anlass zur Selbstgeißelung.
Ausführlich beklagt wurde das geringe Produktionsbudget, das gemeinhin als Erklärung dafür angeführt wird, warum die einheimische Ware neben dem transatlantischen Import einfach blass aussehen muss. Dass die fehlende Chancengleichheit auf dem internationalen Fernsehmarkt auch noch andere Gründe hat, erfuhr nur der aufmerksame Zuhörer. Wir haben aufmerksam zugehört und die fünf meistgenannten für euch mitnotiert:
Alltag raus, Amerika rein.
Fernsehen befriedigt eine Reihe von Bedürfnissen. Der Wunsch nach Unterhaltung und Zerstreuung ist eines davon. Zu große Realitätsnähe kann dabei als störend empfunden werden. Amerikanische Serien sind schon allein ihres geographischen Ursprungs wegen weiter weg von unserer Lebenswirklichkeit und damit besser geeignet, eskapistische Tendenzen zu befriedigen. Solange die US TV-Branche also nicht auf die Idee kommt, ihre fiktiven Welten in Würzburg, Darmstadt oder Bielefeld anzusiedeln, werden sie ihrem deutschen Publikum die Flucht aus dem Alltag immer leichter machen.
Viel hilft viel.
Ihre komplexe Erzählweise hat der amerikanischen Serie in den vergangenen Jahren zu Ruhm und Ehre beim Publikum verholfen und Zutritt bis in die heiligen Hallen höherer Bildungsanstalten verschafft. Erzählexperimente wie 24 oder Lost lösten eine Woge der Begeisterung für staffelübergreifende Handlungsbögen und komplizierte Figurengeflechte aus und ließen Serien mit den üblichen zwei bis drei Plots pro Folge mager wirken. Die erhöhte Informationsdichte, mit der uns die amerikanischen Produktionen konfrontieren, macht uns nicht nur schlauer, sondern auch süchtig nach mehr. Stark serialisierte Formate, die Woche für Woche mit einem Cliffhanger enden und deren Gesamterzählung frühestens mit Ende der Staffel befriedigend abgeschlossen ist, verleitet zu zwanghaftem Einschaltverhalten. Und wo die einen von Abhängigkeit sprechen, freuen sich die anderen über Kundenbindung.
The Bad, the Worse and the Worst.
Schönes Schaudern bereitete dem nach amerikanischem Stoff süchtigen Serienjunkie auch die Erwähnung dieser dramaturgischen Innovation: der böse Held. Neben Bildschirm-Legende Tony Soprano erhielten Figuren wie Walter H. White aus Breaking Bad oder „Everybody's Favorite Serialkiller Dexter Morgan Worte der Be- aber auch Verwunderung. Erstaunt zeigte man sich auf dem Podium über den Mut der amerikanischen Sendeverantwortlichen, dem lange vorherrschenden „likeablity-Diktat - die Hauptfigur muss sympathisch und gut sein - so entschieden den Rücken gekehrt zu haben.
Was Hänschen nicht lernt,...
Ob das kreative Potenzial der deutschen Serienschreiber ausreicht, Publikumslieblinge wie Dexter zu kreieren, wurde nicht nur in der Eifel heiß diskutiert . Auch in Berlin machte man sich an diesem Wochenende berechtigterweise Sorgen um den Berufsstand der Autoren und Dramaturgen: in puncto Aus- und Weiterbildung ebenso wie in Hinblick auf die vorherrschenden Arbeitsweisen. Dass in den USA „creative writing bereits in der Grundschule gelehrt werde, verschaffe den angehenden Autoren einen Vorsprung, der in den höchstspezialisierten Screenwriting-Kursen von renommierten Universitäten wie der UCLA weiter ausgebaut wird. Angekommen am Arbeitsmarkt hat der amerikanische Jungautor im Idealfall bereits 15 Jahre Schreiberfahrung. Gelingt ihm der Einstieg in einen der Writer's Rooms in Culver City oder Burbank lernt er im Team die Kunst des seriellen Erzählens von den Meistern ihres Faches.
Autorenfernsehen statt „Verwaltung von Unterhaltung
Dass der amerikanische Fernsehautor eine Sonderstellung genießt, wissen wir spätestens seit dem Writer's Strike: Ohne die „scribes gibt es kein Fernsehen, da sich das Hauptabendprogramm der US-Networks zu einem wesentlichen Teil aus aktuell produzierten Serien zusammenstellt. Die Abhängigkeit der Sender von talentierten Vertretern der schreibenden Zunft misst sich in mehr Gehalt, mehr Ansehen und mehr Freiheit, Ideen zu verwirklichen. Als Showrunner übernehmen erfahrene Serienautoren Produzententätigkeiten und bestimmen nicht nur die Arbeit des Writer's Room sondern nehmen auch Einfluss auf Casting, Regie oder Postproduktion. Die weit reichenden Befugnisse der Writer-Producer sollen sicher stellen, dass der „Look & Feel einer Serie über die Dauer ihres Bestehens erhalten bleibt und die ursprüngliche Vision des Serienschöpfers (im besten Fall sind Erfinder und Showrunner dieselbe Person) nicht verloren geht.
Die kreative Stimmung, die den amerikanischen Serienmarkt seit den Sopranos beherrscht, vermisst man derweil hierzulande. Die Schuld dafür - da sind sich Tagungsreferenten und -publikum in der Werkstatt der Kulturen in Berlin Neukölln einig - tragen vor allem Politik und TV-Gremien. Gleich mehrfach wird der Fall der NDR-Redakteurin Doris Heinze zitiert, die unter Pseudonym eigene Drehbücher (sowie solche von ihrem Mann) beim Sender untergebracht hat. Doch der Heinze-Skandal ist nur die Spitze des Eisberges. Zu fragen ist in der Tat, welche politischen Weichenstellungen getroffen werden müssen, damit das hiesige TV-System ähnlich dem US-Vorbild stärker zum Autoren- und weniger zum Redakteursfernsehen wird. Es ist sehr zu hoffen, dass diese Diskussion weiter geführt wird.
48 Kommentare| DJ Doena schreibt vor 12 Monate Kann mir mal einer verraten, warum das nun ausgerechnet Aufgabe der Politik sein sollte? |
| wibi44 schreibt vor 12 Monate Zwei Dinge sind unabdingbar: Erstens muss in die Serienproduktion mehr Geld gesteckt werden, dass zunächst für die Autoren und die Ausstattung/Spezialeffekte/Animation genutzt wird. Die Darsteller sollten nicht noch besser bezahlt werden, sie können ihr Geld kassieren, wenn die Serie sich etabliert hat. Zweitens müssen die Serien unabhängiger produziert werden. Das heißt nicht, dass die Sendeanstalten keine Serien mehr produzieren sollen - obwohl sie ja auf dem besten Wege dahin sind, sondern dass den Autoren und Produzenten gegenüber den Redakteuren mehr Freiheiten gelassen werden. Nicht umsonst wurde hier die Frage gestellt, ob "Dexter" in Deutschland hätte gemacht werden können. Dazu ein klares nein, denn die Sender hätten mächtig von den Aufsichtsbehörden und Rundfunkräten auf´s Dach bekommen. Daran sieht man aber mehr als deutlich, wie beschränkt man in Deutschland arbeiten muss und das dies letztendlich nicht zu Superserien führt. |
| the Pandastic schreibt vor 12 Monate Hätte nicht gedacht, das die Politik als schuldiger ausgemacht wird. Was kann die politik dafür, das in deutschland produzierte Serien, meist schlecht besetzt sind? Was kann die Politik dafür, das die "Handlung" meist flach und abgekupfert wirkt? Und was kann die Politik für schlechte special effects und unterdurchschnittlich schlechte kamerafahrten? Meiner meinung nach nichts. Die fernsehmacher solten die schuld bei sich suchen. |
| iMars89 schreibt vor 12 Monate Das finde ich irgendwie alles zu weit her geholt. Das Problem ist ganz klar, dass die Autoren keine eigenen Ideen haben. Jede deutsche Serie hat sein Vorbild in den USA. Egal ob Doctor's Diary, Dr.Molly oder Post Mortem. Alles abgekupfert von Erfolgsformaten. Nur will das nie jemand zugeben! Nur wer will eine Serie sehen, die es schon gibt? Und zwar viel aufwändiger produziert! ZDF zeigt einen Krimi nach dem anderen. Alle der selbe Aufbau, nur andere Charaktere. Langweilig! Hierzulande traut sich niemand mal ein Drama ohne Crime zu zeigen, geschweige denn innovativ zu sein. Wenn etwas funktioniert, wird es bis zum geht nicht mehr ausgelutscht. Sehr schade. |
| lufkin schreibt vor 12 Monate Also den ersten beiden Punkten kann ich nur bedingt zustimmen. Mich stört es nicht wenn eine Serie in meiner Lebenswelt spielt aber sie sollte dann auch einigermaßen realistisch rüberkommen. Da versagen gerade dt. Action/Krimi Produktionen am laufenden Band. Da wird geballert und alles explodiert in bester A-Team Manier obwohl inzwischen auch beim letzten BILD Leser angekommen seinen sollte das Autos nicht durch Beschuss explodieren und nicht einfach mal so hunderte Meter durch die Luft fliegen. Da sind Besatzungen von Rettungshubschraubern oder Spezialeinheiten scheinbar stundenlang auf sich allein gestellt, als gäbe es in gesamt kontinental Europa niemanden sonst der helfen könnte. Das ist einfach völlig 80er Jahre... und nicht mehr zeitgemäß. Des weiteren nehmen in dt. Produktionen (vor allem in den grottigen Eventmovies) die Liebesgeschichten und das verkorkste Privatleben der Hauptpersonen zu viel Raum ein. Wenn ich nen Krimi schaue interessiert mich das höchstens am Rande, da wäre es völlig ausreichend wenn dem alle paar Folgen mal ne Minute oder zwei gewidmet wird. Aber natürlich ist auch bei den US Serien nicht alles optimal, viel Schrott der drüben nicht lief kommt ja gar nicht erst über den Teich und wir kriegen davon gar nichts mit. Was die hochgelobten Serien wie Lost oder 24 angeht... bei 24 ist das Thema imo einfach durch (von der durchaus fragwürdigen Botschaft mal ganz zu schweigen) und Lost mag ich auch nicht, ich hab nach der ersten Staffel aufgehört weil mich nur noch genervt hat das es nicht weiter ging. Lange Plots schön und gut... aber da ist einfach folgenlang nichts passiert was einen auch nur annähern weiter bringt. Das war nur nervig. |
| the Pandastic schreibt vor 12 Monate @lufkin: Da stimme ich Dir voll und ganz zu. Es ist nicht schlimm, das eine Serie in deutschland spielt. Ich finds schlimm, das die verantwortlichen die Schuld überall suchen außer da wo sie liegt; bei Ihnen selbst. |
| alex_2001 schreibt vor 12 Monate @ DJ Doena Ich kann mir das nur so erklären, dass die deutsche Fernsehindustrie sich als Wirtschaftszweig sieht, der nur aufgrund mangelnder Förderung so vor sich hin dümpelt. Die Schlussfolgerung demnach wäre also, dass mit Fördermaßnahmen (wie auch immer diese aussehen mögen) die Autoren und Produzenten experimenteller und unbefangener an neue Projekte herangehen könnten... Nur kann ich mir kaum vorstellen, dass politische Maßnahmen die Autoren plötzlich kreativer und ideenreicher macht. Denn deren Talent kann man zwar in gewissem Maße fördern, aber nicht erschaffen. Und der Erfolgsdruck in Form von Quoten bleibt der gleiche, steigt sogar noch, da man nun dank politischem Eingreifens Rechenschaft abgeben muss. Aber man sehe sich nur an was mit den GEMA-Gebühren so fabriziert wird... aber das ist ein anderes Thema. Als Fazit kann ich mich nur meinen Vorrednern anschließen, alle deutschen TV-Produktionen sind das reinste Brechmittel! Spart euch bitte die Produktionskosten und kauf zeitnaher amerikanische Serien. Ich weiß, das ist auch keine Lösung, aber ich glaube nicht, dass ich einer deutschen TV-Produktion selbst dann noch eine Chance geben würde, wenn sie wirklich gut ist. |
| Ares101 schreibt vor 12 Monate Also das erste Problem ist sicherlich wirklich das Geld was hier bei Produktionen fehlt und dann kommt die Unabhängigkeit der Produktion von den Sendern. Politil spielt insofern eine Rolle als das die Öffentlich-Rechtlichen auch nur den gleichen Mist produzieren und unmengen an Geld für Tatorte, schwedische Krimis und Musikantenstadl ausgeben. Hat einer eine Ahnung wie viel die für Volksmusikveranstaltungen ausgeben? Es ist unsagbar... Davon könnte man einige wirklich gute Serien produzieren, wenn die Leute dort einen realistischeren Lohn bekommen würden. |
| Cloudrunner schreibt vor 12 Monate Also ich sehe das Problem auch ganz stark bei den Zuschauern. Die Leute wollen eben lieber Krimis am Fließband, billig produzierte Seifenopern und Problemkinder-Dokus sehen, als gut produzierte Serien. Da würde es kaum helfen, wenn man überhaupt aufwendige Serien produziert. Es fehlt aber natürlich auch an Mut, neues zu probieren. Dies resultiert aber auch aus dem Druck, dass das deutsche Publikum scheinbar recht festgefahren ist in dem, was es gern sieht. Es gibt ja durchaus einige Serien die in den USA super laufen und dennoch hier floppen oder eher durchschnittliche Quoten vorweisen. Ansonsten gebe ich meinen Vorrednern insofern recht, als dass man hier natürlich auch keine abgekupferten Serien sehen will, deren Vorbild gut läuft, wie etwa CSI oder Grey's Anatomy etc. Und das Problem liegt dabei natürlich nicht am Setting Deutschland, denn das hat durchaus auch etwas spannendes. Aber gerade aufgrund der US-Serien/Filme und auch der deutschen die uns alle geprägt haben, ist ein CIA-Agent eben "cooler" als ein BKA-Mitarbeiter. Unter ersterem stellen sich die meisten eher einen Actionhelden vor, der zweite ist wohl schlichtweg ein Beamter. Auch Formate die das Thema "Spezialeinheiten" aufnahmen, floppten letztenendes, obwohl es nicht unbedingt schlechter war. Aber unsere Einstellung dazu ist eben eine andere. Einen Polizisten wie John McClane kaufen wir eben eher ab, wenn er Amerikaner ist als Deutscher. Bei Cobra 11 hat's hingegen funktioniert und vermutlich liegt es auch einfach an der Menge der produzierten Serien, bis sich das Image und unsere Einstellung dazu etwas verändert. Dann noch etwas mehr Mut bei den Autoren, Abkoppelung vom Sender und evtl. mal etwas mehr Geld für Effekte ausgeben, bis sich die Serie etabliert hat. |
| punisher schreibt vor 12 Monate Ich warte immer noch auf eine deutsche Supernatural-Type-Serie! Das traut sich hier nur niemand...! |
| Schnixx schreibt vor 12 Monate Ab und an gibt es ja tatsächlich mal gute intelligente deutsche serien, nur gehen diese leider oftmals einfach unter. Als Beispiel sei hier mal Dr. Psycho mit dem genialen Christian Ulmen genannt. Leider nach nur 2 Ministaffeln wegen schlechter Quoten abgesetzt.... Aber die grottigste deutsche Serie schlechthin Cobra11 läuft seit zig jahren *würg* |
| PatZy schreibt vor 12 Monate Als einziges rühmliches Gegenbeispiel ließe sich bei den deutschen Serien "Türkisch für Anfänger" nennen. Ansonsten kann ich nicht sagen dass mich je eine deutsche Serie oder ein Film vom Hocker gerissen hätten. |
| Cloudrunner schreibt vor 12 Monate "Dr. Psycho" und "Türkisch für Anfänger" oder "Mein Leben & Ich" sind einige Beispiele für gute deutsche Serien, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Im Falle von Dr. Psycho fand ich es sehr schade, dass es nur so kurz lief. Die Serie war sehr gut. Leider sieht man nur sehr selten solche neuen Ideen im TV. Was mir noch aufgefallen ist, der Fokus scheint auch eher auf Filmen zu liegen, als auf Serien (wenn es nicht gerade ne Soap ist und Ausnahmen bestätigen die Regel). Da wären z.B. die Filme die Pro7 selbst produziert oder die Filme die Dienstags auf Sat1 laufen, aber natürlich auch die ganzen Event-Zweiteiler. So etwas wird ständig produziert, auf Kosten von Serien. Vermutlich auch aufgrund der Tatsache, dass man sich davor scheut, eine Serie mit fortlaufender Story zu produzieren wo die Quoten selten nochmal zunehmen, da man später nicht mehr einsteigen kann. |
| Cerro schreibt vor 12 Monate Denke auch das es Deutschland an gescheiten Autoren und damit fehlenden interessanten Drehbüchern liegt. Von daher kupfern deutsche Sender lieber ab, mit dem Effekt das momentan produzierte Serien wirklich dem dem Stil der 80er Jahre gleichen (Cobra 11) und sich die Sender auch noch damit rühmen:-( Oder es werden am laufenden Band Tatort produziert die mit altbackenen Schauspielern besetzt werden und eher Dramen als Krimis wirken. Auch ein Punkt warum deutsche Serien nicht gern gesehen werden, weil immer die gleichen Gesichter auftauchen. Meiner Meinung nach gibt es nur eine Lösung wenn man gegen amerikanische Serien antreten will, Europaweite Co Produktionen. |
| rkasiuk schreibt vor 12 Monate Ich beziehe mich vor allem auf das erste Posting, dort werden folgende Gründe angegeben: zu wenig Geld für Autoren, Ausstattung, Effekte, Animationen Dem kann ich gar nicht zustimmen. Deutsche Serien leiden aus meiner Sicht vor allem unter folgenden Symptomen: 1) Die Erniedrigung des Zuschauers auf das Niveau eines armseligen Reptils - anders kann ich mir nicht erklären, warum in Deutschland nur solche "Glanzstücke" entstehen können, wie Autobahn,- oder Rettungshubschrauberserien, die visuell gar nicht schlecht umgesetzt sind, aber nur die niedrigsten Instinkte im Zuschauer ansprechen. Ein anderes prominentes Beispiel war "Verschollen", das völlig hirnfrei konzipiert wurde. Wenn der Deutsche Zuschauer nur Empfänger eines solchen Schwachsinns sein kann, dann gute Nacht Deutschland. 2) Die völlige Talentlosigkeit der Schauspieler - ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in 90% der Amiserien treten Akteure auf, die vor allem Charme haben (das hat nichts mit gutem Aussehen zu tun), eine Eigenschaft, die den Deutschen Schauspielern völlig abgeht, die meisten erinnern mich nämlich an Bauern. Wenn ein Schauspieler keinen Charme hat und mich nicht als Person an die Scheibe fesseln kann, hat die Serie schon verloren. Nun weiß ich nicht, wie in diesem Lande diese "Talente" ihre Wege auf die Mattscheibe finden, die Wege die hier beschritten werden, sollten auch dringendst verändert werden. Mal abgesehen von Charme agieren 80% dieser "Talente" dermaßen künstlich vor der Kamera, dass sich einem der Magen umdreht - die Rolle nehme ich den Leuten einfach nicht ab. 3) Die fehlende Dynamik - man vergleiche mal eine Folge ER mit einer Folge einer beliebigen Deutschen Krankenhaus-Serie: in einer Minute ER reden doppelt so viele Menschen drei mal so viele Worte wie in 10 Minuten der Deutschen Serie. Und die Dialoge sind zudem spanend, dramatisch, vieldsagend, witzig, tiefgründig, was auch immer. Die Deutsche Serie ist ganz Scharping: "laaaaaangsaaaaam... et lääääuft"... |
| little_big_man schreibt vor 12 Monate Türkisch für Anfänger und KDD sind die einzigen deutschen Serien, die für mich anschaubar sind... |
| rkasiuk schreibt vor 12 Monate Nachsatz: Ich glaube deshalb nicht, dass eine Deutsche Serie an mangelnder Ausstattung oder schlcehten Special Effects krankt - im Gegenteil, Eigenproduktionen von Pro 7 zeigen, dass man durchaus in der Lage ist, gute Special Effects zu machen. Nur diese können eine dröge, uninspirierte, unoriginelle Story deren Umsetzung mit schlechten und schläfrig agierenden Schauspielern realisiert ist, leider auch nicht aus der Niveaulosigkeit der Deutschen TV Produktionen heben. Eine FRAGE habe ich hier an die Experten unter Euch: auf welchem Filmmaterial drehen die Deutschen eigentlich?? Zu den oben genannten Punkten muss ich nämlich noch hinzufügen, dass Dt. Serien visuell schlecht aussehen: das Bild ist körnig, die Farben blass, Kontrast ist armselig - gibt es solche Unterschiede im verwendetem Filmmaterial?? |
| KSC-Baby schreibt vor 12 Monate Türkisch für Anfänger ist tatsächlich die einzige gute Serie die ich kenne... die anderen sind: -langweilig -wirken künstlich -von vornherein uninteressant -peinlich oder doof oder beides Natürlich würde ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen lassen... |
| little_big_man schreibt vor 12 Monate Zu dem "körnig": Das ist mir extrem aufgefallen, als ich die erste Staffel von KDD auf DVD erworben habe.......ich dachte zuerst wirklich, dass die DVDs defekt sind, weil das Bild einfach so unglaublich schlecht ist. Eine weisse Wand wird da zu einem Ameisenhaufen....und das in unserem Jahrtausend! |
| Mazuka schreibt vor 12 Monate Immer diese Ausrede mit den Kosten, die nervt langsam, man braucht doch für eine gute Serie nicht gleich halb Berlin in die Luft zusprengen, oder doch?? Schaut euch mal die die Nommi-Liste der Emmys an das sind nicht die kostspieligen Serien a la CSI nominiert oder Procedurals sondern ausschlieslich Serials die sehr sehr gut geschrieben worden sind. Es sind schon 10 Jahre vergangen als "die Sopranos" in den USA gestartet sind, und Deutschland hat es immer noch nicht geschafft eine Serie zu produzieren die annähernd einem Serial gleicht. Da läuft doch etwas falsch oder?? Die grösste Kritik haben hier die Öffentlichen Sendern verdient, das Sie diesen Markt nicht erschliessen wollen, und lieber bei ihren geliebten Krimis und Fernsehfilmen bleiben. Und die Schuld haben auch sicherlich nicht die Zuschauer ihnen wird ja nichts anderes angeboten! Die Kritik an die Schauspieler finde ich auch nicht passend, denke schon das Deutschland sehr gute Schauspieler hat, aber wie oben schon gennant es fehlt der Markt, das grösste für Sie bleibt doch immer noch der Tatort obwohl es auch anders geht Siehe "Stromberg" mit "Christoph Maria Herbst" hat perfekt geklappt. Auch die Idee Serienvorlagen aus anderen Ländern zu übernehmen ist nicht schlecht, aber bitte die richtigen Vorlagen zB : "In Treatment" 2 Schauspieler, ein Raum, sehr gute ausgearbeitete Dialoge und fertig ist eine Serie. Anderes Beispiel das Konzept von "Damages" in der ersten Folge ein Rätsel aufbauen das in der laufenden Staffel aufgelöst wird oder eine Serie aufbauen für einen Schauspieler wie zB von Toni Collette diesjährige Emmy-Gewinnerin für die Serie "United States of Tara" wäre doch die Perfekte Rolle für eine Anke Engelke. Ich bleibe bei der Meinung das es möglich ist eine gute Serie auch in Deutschland zu erschaffen, nur müssten die öffentlichen rechtlichen mal den Mut haben eine solche Serie zu produzieren. |
| Stefan schreibt vor 12 Monate Das mit den Autoren ist so eine Sache. Es mag hier und da schon gute Autoren geben. Oder welche die Ideen haben. Das Problem ist aber, dass sie praktisch keine Chance haben ihre Ideen umzusetzen. Und das hat mit der Struktur und Politik der Sender zu tun. Es wird ja viel über den Einfluss der US-Sender auf Serien geschimpft. Aber im Vergleich zu dem was in Deutschland abläuft ist das harmlos. Hier wird jede Idee durch Redakteure, Komitees, Zielgruppen-Analysen, Sender-Chefs und Praktikanten solange zerpflückt und verwässert dass am Ende nichts mehr davon übrig bleibt. Die Autoren haben keinerlei Einfluss auf Casting oder Regie. Das muss doch frustrieren. Es ist doch klar, dass sich in so einer Umgebung keine Talente entfalten oder entwickeln können. Das wird im Artikel auch angesprochen. Jemand fängt als Staff Writer an und kann dann zu diversen Produzenten-Rollen aufsteigen und mehr Einfluss bekommen. Autoren können dort auch Regie führen. Schauspieler und Regisseure können zu Produzenten werden. Schauspieler können Regie führen. Wenn die Produzenten es zulassen können Schauspieler auch etwas Einfluss auf die Autoren haben. Das ist alles viel flexibler, aber in Deutschland vollkommen unmöglich. |
| Hendrik1987 schreibt vor 12 Monate Meiner Meinung bleibt das deutsche Fernsehen gern bei Altbewähtem (Cobra 11 und Tatort laufen seit einem gefühlten Jahrtausend). Dieses Altbewährte darf aber auch keinesfalls in irgendeiner Art anspruchsvoll sein, damit jeder zu jeder Zeit neu in die Serie einsteigen kann und schnell "Spaß hat". Zudem ist hierzulande auch der "Heile-Welt-Faktor" sehr beliebt: Man darf den Menschen zeigen, wie er ist, aber nicht zu extrem. Sendungen wie "Dexter", aber auch "House" könnte ich mir daher in deutscher Produktion gar nicht vorstellen, weil es einfach zu kontrovers ist. Dabei hat das Publikum doch gerade Interesse an solchen Themen: Wie wäre es z.B. mit einer Serie über die Einsätze deutscher KSK-Soldaten in Afghanistan. Das bietet viel Möglichkeit für Action und Drama (zivile Kollateralschäden, Kriegsverbrechen, Fundamentalismus), aber sowas wäre wieder viel zu kontrovers. |
| Vincent the Dog schreibt vor 12 Monate Schaut Euch doch mal an, wie Fernsehen in den Vereinigten Staaten funktioniert, und dannn schaut Euch die Deutsche Zweiteilung an. Hier hat schon ganz klar die Politik ein Wörtchen mit zu reden, denn mit unseren Rundfunkgebühren (die ja auch eine politische Sache sind) wird im ÖR eben auch sehr viel Müll gemacht. Zweites finde ich es erstaunlich, dass auch hier (!) die Kommentatoren davon ausgehen, dass das Problem die schlechten Autoren sein. An der Absetzung vieler guter amerikanischen Serien sieht man doch, dass es ein Problem der Sender ist, die lieber auf Nummer sicher spielen, als wirklich gewagte Formate zu bringen. Das Problem ist, dass in Deutschland an den Senderhebeln eben nur BWLer sitzen. Die haben nur geringe kreative Ambitionen. "Für kreativ" sind in deren Augen dann auch die ÖR verantwortlich, weil die nicht den wirtschaftlichen Druck habe - die können ja immer eine Gebührenanpassung verlangen ;-) Natürlich hätte Deutschland dann auch das Problem, dass durch jahrelange Monokultur auf dem kreativen Feld nichts (zumindest kaum was) gewachsen ist.Ein Headwriter/Showrunner macht noch keine Serie. Und in Anlehnung an einen anderen Kommentar kann man ja sagen, dass analog zu den Autoren auch die Schauspieler bei uns nicht frühzeitig ausgebildet werden, dass es kein "Breitenschauspiel" gibt. |
| rkasiuk schreibt vor 12 Monate Aber mal die ÖR beiseite, auch die privaten haben sich schon an Serien versucht und auch nichts gescheites produziert. Auch hier galten die üblichen Mängel: - wenig kreativ - schlecht gespielt - lahm und langweilig - lächerlich und albern Schlechte Dt. Serien kann man also nicht in den Regelungen der ÖR suchen, sondern eben darin, dass anscheinend in Dt. nicht das richtige "Personal" vorhanden ist, um eine gescheite Serie gescheit zu produzieren. Noch ein Wort zu den Schauspielern: wenn ich nun richtig informiert bin, sind die am. Serien oft Sprungbrett für Naturtalente, die nicht unbedingt eine klassische Schauspielausbildung hinter sich haben. Dafür castet man für die Rollen aber auch mehrere 100 Menschen. Hier in unserem schmucken Lande scheint man eher die (immer wieder gleichen) Schauspieler aus Schubladen zu ziehen, egal, ob sie nun authentisch rüber kommen oder nicht. |
| ORPHEUMFilm schreibt vor 12 Monate Deutschland braucht ein radikales Umdenken in Sachen KREATIVITÄT. Es ist erschreckend wie auch hier immer wieder durchkommt ALLE anderen sind schuld (OR, Priv.,Schauspieler, Geldgeber ...) nur wir nicht. FALSCH! Wer jemals mit einem amerikanischen Produzenten zusammengearbeitet hat wird immer zunächst die Frage gestellt bekommen: Jung - was hast Du für mich? Es geht NICHT um Geld, NICHT um Darsteller, NICHT um Quoten (ja doch auch - aber erst SEHR viel später bei der Entwicklung). Es geht grundsätzlich und zu allererst um den Stoff, die Handlung, die STORY! Und NUR um die Story. Umso erschreckender wenn einem deutsche Produzenten (durchaus voller Anerkennung) sagen: Erstaunlich, was die Amis in eine einzige Folge an Handlung stecken - das steckt bei uns manchmal in einer ganzen Serie nicht drin!. Also - WO bitte liegt das Denkproblem? Weg mit Effekten, der Darstellerfrage, den potentiellen Geldfragen - HER erst mal mit einer guten, spannenden, abwechslungsreichen, interessanten, fesselnden Story. Kein Mensch braucht Spezialeffekte, wenn die eigentliche Story stimmt. Effekte sind wie Gewürz beim Kochen - und da fängt man mit den Grundlagen an - die beim Film die STORY sind. Der Effekt einer schlechten Story ist, dass der Film floppt. Und damit ist der Geldhahn (zu Recht!) zu. Und nein, liebe Fernsehverantwort- lichen, ihr macht keineswegs alles richtig - und als Strafe für so manche Entscheidung, solltet ihr zum Fernseh-Dauer-Serien-gucken rein deutscher Produktionen verurteilt werden - wie schnell würdet ihr erkennen, dass Deutschland wieder echte Schauspieler - und keine Darsteller-Kultur braucht. Schreiben ist Handwerk. Wie Schauspielern. Wie Regie führen. Wie editieren. Lernen wir also unser Handwerk - täglich neu. Dazu muss man bereit sein. Nur so wird es auch wieder was mit deutschen, guckbaren Serien was werden. |
| Klara_SJunkie schreibt vor 12 Monate Wer sich für die Gründe schlecht produzierter deutsche Serien interessiert. Der ehemalige Senderchef von Sat.1 Roger Schawinski hat die Hintergründe über TV-Verwicklungen in seinem Buch Die TV-Falle beschrieben. Ich fand es sehr interessant. Das Zusammenspiel zwischen Politik, Produktionsgesellschaften, Werbemedien ist anders, viel träger als in der USA. In Deutschland gibt es einen Autor für ein Format, in Amerika ein ganzes Team. |
| ORPHEUMFilm schreibt vor 12 Monate Deshalb mein erster Satz:Deutschland braucht ein radikales Umdenken in Sachen KREATIVITÄT Wenn man beim Vorschlag einer Serie ERST nach einer EXCEL Datei (sprich Kalkulation) gefragt wird - dann muss man sich an die Waffel greifen. Wenn ein Sender pro Folge den max. von X-Euro zur Verfügung stellt (ganz unabhängig von der Handlung) und eine Summe y, die man ggf mehr braucht (Reisen, Darsteller - Aufwand o.ä.) von der nächsten Folge einfach abzieht - fast man sich auch zweimal an die Waffel. Andererseits: Wieso soll ein Sender in einer Fernseh-Gewinndenken-Kultur, in der mit WWM nach 90 Minuten Sendung noch Geld abwirft, 2, 3 oder 5 Mio Euro für den gleichen Zeitraum investieren, die zudem auch noch schlecht gemacht sind?? (thematisches Perpetomobile - bitte wieder oben zu lesen beginnen ... ) Deshalb mein erster Satz:Deutschland braucht ein radikales Umdenken in Sachen KREATIVITÄT |
| Serenity schreibt vor 12 Monate Das Problem ist die Art wie die Fernsehsender hier aufgebaut und organisiert sind. Bei den US-Sender wird oft über die Einmischung der Execs geklagt. Hier ist das noch Tausend mal schlimmer. Es gibt in Deutschland vielleicht in paar Autoren die Talent haben. Aber sie bekommen praktisch keine Chance das umzusetzen, da nur Fließbandarbeit gefördert wird. Wenn jemand mal eine gute Idee hat, wird diese solange von Redakteuren, Gremien, Programmchefs, Senderchefs und Fokusgruppen zerpflückt bis davon nichts mehr übrig bleibt. Die Sender haben die Macht jedes auch noch so kleine Detail zu ändern und die Autoren können nichts dagegen tun. Es ist doch klar, dass man so keine Visionen umsetzen kann. Und wer will schon unter solchen Bedingungen arbeiten? Auch ein Grund weshalb von unten keine Talente nachkommen. Dann ist die ganze Struktur in den USA flexibler. Hier gibt es Produzenten, Autoren, Regisseure, Schauspieler (und leider völlig überflüssig Redakteure) die alle unabhängig voneinander agieren. In den USA können Autoren zu Produzenten aufsteigen, Regie führen und wirklich Einfluss auf die Entwicklung einer Serie nehmen (je nach Rang aber mehr oder weniger). Es gibt Serien die von bestimmten Regisseuren so geprägt wurden, dass sie zu Produzenten wurden (Michael Rymer bei "Battlestar Galactica" z.B.). Wenn die Produzenten es zulassen können Schauspieler Einfluss auf die Skripts nehmen und auch mal eigene Ideen einbringen. Es gibt Serien in den Schauspieler auch Produzenten sind. Oder mal Regie führen. Das macht jeden der an der Serie arbeitet zu einem echten Team und einer Familie. Bei deutschen Serien ist es wahrscheinlich nur ein Job oder jeder kümmert sich nur um seinen kleinen Teil. Dazu kommt, dass hier alles von den Sendern direkt produziert wird, während es in den USA z.T. eigene Studios gibt, die auch mal was auf dem freien Markt platzieren können anstatt nur für ihre zugehörigen Sender zu arbeiten. |
| ORPHEUMFilm schreibt vor 12 Monate @ Serenity : Hallo .. ich bin mir nicht sicher ob es wirklich sinnvoll ist, vom Autor zum Regisseur - oder vom Regisseur zum Produzenten "aufzusteigen". es ist immer eine Sache des Talents - und leider ist ja hier in Deutschland die Mentalität auch deshalb so wie ist, weil ja "jeder" schreiben oder Regie führen oder oder oder und sowieso alles vieeeeeeeel besser kann... Gerade aber der letzte Punkt stimmt nicht. Hier geben die Sender freien Produktionsfirmen den Auftrag für Budget X, und das ist natürlich nicht sonderlich üppig, eine Serie zu produzieren. Mit dem Geld muss die Produktionsfirmen auskommen - egal ob ein Schauspieler krank wird (oder schlimmer noch stirbt) oder die Produktionshallen abbrennen. Abgabetermin ist X zum Budget von Y - fertig. Gerade in den USA haben die Sender -jedoch immer in Kooperation mit dem Hersteller- die Fäden in der Hand. Gemeinsame Meetings und Besprechungen während des Entstehungsprozess sind dort viel ausgeprägter als hier, wo man sich Muster oder bereits fertige Folgen ansieht und nur Änderungen wünscht. Jerry Bruckheimer z.B. produziert eine Show wie Cold Case oder CSI in dem Sinne nicht selbst - er ist der Hersteller, so wie hier eine Firma wie UFA Grundy. Doch während hier die Trennung viel größer ist, arbeitet man dort zusammen - und ich wiederhole mich - man arbeitet zunächst an der Story - und DANN an der Finanzierung. Es ist die grundsätzliche Struktur, da gebe ich dir Recht. Daran muss man etwas ändern und zu einem MIT-einander finden. |
| Matt1980 schreibt vor 12 Monate Also ich sehe mir kaum mehr deutsche Serien an, da für mich der Schuldige eigentlich immer schnell gefunden wurde: Schlechte Drehbücher, unglaubwürdige Charaktere und am Ende vor allem - im Vergleich zu amerikanischen Produktionen - grottenschlechte Darsteller. Selbst wenn da mal ein/zwei gute Schauspieler dabei waren, konnten die allein die schlechte Leistung der restlichen nicht ausbügeln. Das dann sowas wie K11 zum Beispiel überhaupt bei uns im Fernsehen läuft (und dazu noch so lange), hab ich bis heute nicht verstanden. Das ist für mich Unterhaltung (wenn man das überhaupt so nennen darf/kann) von unterstem Niveau... |
| csimsux schreibt vor 12 Monate Man darf auch nicht vergessen, dass Deutschland, ganz verallgemeinert ausgedrückt, weder auf Serien- noch auf Kinomythologien zurückgreifen kann. US-Serie stützen sind und verarbeiten Jahrzehnte Hollywoodkino + Jahrzehnte TV-Drehbuchkunst + Jahrzehnte Celebritymythen + Jahrzehnte weltbewegende politische Entwicklungen + Jahrzehnte bedeutender wirtschaftlicher Entwicklungen ( Marken, Waren etc.) Was erwartet man denn von der deutschen Serie - sie kann gar nicht irgendwas erreichen, besser gesagt sie kann nie annähernd so gut werden. Folgendes Beispiel: Supernatural Stell euch vor - zwei deutsche Brüder aus der Provinz fahren in einem alten Opel von Bochum nach Dortmund. Einfach genial ... |
| ORPHEUMFilm schreibt vor 12 Monate Das stimmt ja nun auch nicht ganz - in den 30er Jahren hatten wir durchaus eine sehr ausgeprägte und gut funktionierende Kinokultur ... - und wir lassen jetzt mal die Irritation der politischen Vereinnahmung außer Acht, bitte (das wäre eine GANZ andere Diskussion). Aber damals haben filme wie "Die drei von der Tankstelle" sehr gut funktioniert. nun gab es damals ja keine Serien in dem Sinne - aber die Filmwelt/Filmkultur war damals in Orndung - leider hat auch hier der Krieg seine negativen Spuren hinterlassen und diese Kinokultur zerstört. So einen Break hatten die USA natürlich nicht ... - aber ich bin davon überzeugt, dass sich Serien und Filme deren Story stimmt (und die sich herum sprechen) durchaus sehr wohl auch im deutschsprachigen Raum etablieren würden. Hier seien nur die Filme von Loriot - oder aber auch das Beispiel des Schuh des Manitu erwähnt, den die Herren der Filmförderung als nicht förderungswürdig ansahen, weil "Western gerade nicht so gefragt sind" - und wie lange ist der Film mit wie vielen Kopien gelaufen (Kopien, die man nachziehen musste, weil der Bedarf, sprich die Zuschauer es so wollten ...!). Also es funktioniert schon ... |
| rkasiuk schreibt vor 12 Monate Man man man, hier werden ja Diskussionen geführt, es geht doch nur um deutsche Serien und nicht um die Geschichte des Kinos... :-) Ich bleib dabei: der Bulle von Tölz hat nun mal eine schlechte Story, ist kaum ansehnlich, nimmtn Wölldecke nichasmmund, ist langweilig und eignet sich nicht als Exportschlager wenn noch irgendjemand auf dieser Welt unser Land nicht auslachen soll. So einfach ist das :-D |
| csimsux schreibt vor 12 Monate Wie auch immer, bis auf einzelne Ausnahmen (Derek) will keiner auf der Welt deutsche Produktionen sehen. Dann soll man sich fragen warum? Kreativität war hierzulande nie eine Stärke... Guckt euch einfach alle mediale Erzeugnisse an - angefangen bei Werbung und bis zum Film, einfach langweilig, schlecht gemacht, uninspiriert und ... deutsch:) |
| LucaBrasilc schreibt vor 12 Monate Schlechte Drehbücher sind nicht das Kernproblem, das Kernproblem ist der deutsche Zuschauergeschmack, der genau diese schlechten Drehbücher sozusagen noch honoriert. Wie kann eine Serie wie Cobra 11 so hohe Einschaltquoten erzielen? |
| ORPHEUMFilm schreibt vor 12 Monate In dem man eine 08/15 Handlung um (zweifelhaft) "geile" Actions Sequenzen herum quetscht. Die Action ist hier Sinn zum Zweck. Bei Cobra 11 ist sicher aber auch das Zuschauerklientel entscheidend das lieber "geile Actionsequenzen" statt einen "Hirn-Tatort" bevorzugt. Gute gemachte Serien (oder auch Reihen) finden immer ihr Publikum. Ich erinnere an die Reihe "Schulz und Schulz" (ZDF, Red. Elfi von Kalkreuth). Mit Mut zur Story etwas zeitgeschichtliches verwertet - wunderbare Idee. Und ich empfehle (für die, die gute Kopf-Krimis mögen) am 28.10.2009 im ZDF Montagskino die Fortsetzung der "Spreewald"-Reihe. Das wäre ein Beispiel für gut. Sehr gut wäre es mit etwas mehr Budget geworden. Aber da das ZDF sich schon das "Montagskino" leistet - wollen wir nicht meckern ;op -- zuletzt geändert:30.09.2009 17:23 |
| DJ Doena schreibt vor 12 Monate @ORPHEUMFilm: Hirn-Tatort? Wirklich? |
| alex_2001 schreibt vor 12 Monate @ LucaBrasilc: Das ist das nächste Problem. Die Einschaltquoten werden in Deutschland an 5.000 Haushalten gemessen und dementsprechend hochgerechnet. Nur habe ich nicht den leisesten Schimmer was für Haushalte daran teilnehmen (dies ist so abwertend gemeint, wie es klingt). Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass das TV-Programm auch nur im Geringsten das widerspiegelt, was wirklich gesehen werden möchte. Zumindest weigere ich mich zu glauben, dass das Niveau der Fernsehzuschauer so tief gesunken ist! Man schaue sich doch gerade mal die Weltpremiere, wie sie groß angekündigt wird, am kommenden Montag auf PRO7 an: "Faktor 8 - Der Tag ist gekommen". Mal abgesehen davon, dass es keine Serie ist, spiegelt es doch dennoch die absolute Schmerzfreiheit der TV-Stationen wider, denen es - ganz neben den Schauspielern - an jeglicher Peinlichkeit fehlt, sowas zu drehen bzw. zu senden. Ich muss mich schon fremdschämen, wenn ich nur die Vorschau zu einem solchen "TV-Highlight" sehe! So, bevor ich mich rein steigere und weiter vom Thema abweiche, mache ich hier mal Schluss! ;) -- zuletzt geändert:30.09.2009 17:36 |
| Matt1980 schreibt vor 12 Monate Also die Sache mit Cobra11 ist mir ebenfalls ein Rätsel (gleiches gilt aber auch für sowas wie K11 & ähnlichem). Wobei ich denke, dass das einher geht mit der allgemeinen Verdummung der Gesellschaft. Muss ja einen Grund haben, warum die Anforderungen - gerade im Vergleich zu meiner Schulzeit - in den Schulen teilweise ganz schön runtergeschraubt werden müssen, weil die Kids - entschuldigt den Ausdruck - schlicht zu dumm sind. Fakt ist: Große Actionsequenzen versteht so ziemlich jeder, doch wenn man mit Hirnschmalz dabei bleiben muss, ist das wieder was ganz was anderes. Sieht man oft auch bei Kinofilmen der heutigen Zeit: Massig Special Effects, bei denen der unaufmerksame Zuschauer gar nicht mitbekommt, dass der Film eigentlich nicht mal eine vernünftige bzw. logische Story bietet. Trotzdem landen solche Filme am Ende ganz oben in den Top10. |
| alex_2001 schreibt vor 12 Monate Doppelposting, sorry! -- zuletzt geändert:30.09.2009 17:34 |
| rocxyz schreibt vor 12 Monate Ich denke es liegt viel an dem Kontrast zwischen Lebensrealität und Serienrealität. Da agieren deutsche Schauspieler in einer mir vertrauten /zu meinem Alltag gehörenden Umgebung und erleben dabei oft so unrealistische Dinge... Klar, dass das ein komisches Gefühl hinterlässt. Ich kaufe einer Serie die rasante Verfolgungsjagd auf einem Feldweg, den ich jeden Tag zur Arbeit befahre, weniger ab, als eine Serienrealität voller übernatürlicher Kreaturen, die in einer für mich mehr oder weniger "exotischen" Lebenswelt angesiedelt ist. Ich kann mir z.b. nicht anders erklären, warum ich mir deutsche Soaps keine fünf Minuten ansehen kann, ohne mich fremdzuschämen, während ich mir Ami-Serien, oder auch Anime mit Soap-Inhalten durchaus angucken kann. Das ist allerdings sicher nur ein Aspekt unter vielen... |
| ORPHEUMFilm schreibt vor 12 Monate @DJ Doena: Also Schulz & Schulz nicht (natürlich) - sondern die Spreewald-Nummer. Die ist subtil und durchaus spannend, ohne Action Effekte und ... - aber selbst ansehen ;o) (und vielleicht DANN mal posten ob ich Recht hatte und es ein Tüpfelchen sein könnte.) ;) und @ Ales: Auch das ein typisch deutsches, finanziell selbst gemachtes problem: In den USA CASTET man nach passenden Schauspieler oder sucht neue. Hier wird überlegt "wen haben wir" und schreibt dann etwas, was ihm/ihr irgendwie gefällt um ihn/sie auf den Schirm zu bekommen. Wieso sucht man nicht mal nach Talenten mit Talenscouts in Schülertheatern? Oder Schauspielschulen? Würde Geld kosten und das Ergebnis ist ein (kleines) Risiko - DAS will in den Sparzeiten niemand eingehen ... -- zuletzt geändert:30.09.2009 17:42 |
| KSC-Baby schreibt vor 12 Monate @rocxyz: Naja, aber die Amerikaner gucken ihre Serien ja auch ohne sich zu schämen... aber ich versteh schon was du meinst ;) Und deutsche Soaps kann ich mir nicht anztun, ohne mich über irgendwas aufzuregen (schlechte Schauspieler, bescheuertes Benehmen der Figuren etc.) |
| ORPHEUMFilm schreibt vor 12 Monate Ich muss mich leider (indirekt) wiederholen: Man kann mit ein paar schlechten Schauspielern nur einen schlechten Film drehen. Aber man kann mit einem schlechten Script, also einer schlechten Story, niemals einen guten Film drehen - egal wie gut die Schauspieler sind. |
| rocxyz schreibt vor 12 Monate @KSC-Baby Ja klar, deshalb meinte ich ja, dass es ein Aspekt unter vielen ist. Man kann das nicht allgemeingültig feststellen, gerade weil deutsche Serien auch ihre Fans haben und ich vermute, dass man in den USA gar nicht so wahnsinnig viele Vergleichsmöglichkeiten hat. ;) Da spielen dann qualitative Unterschiede mit rein und sicher auch die Erwartungen, die der Zuschauer einer Figur entgegenbringt. Wie Cloudrunner das geschrieben hat: wir kennen den Ami-Polizisten als knallharten Actionheld, weil uns diese Geschichte immer wieder erzählt wird... Diese "Gewöhnung" dürfte an den amerikanischen Serienschauern ja auch nicht vorbei gegangen sein. |
| ORPHEUMFilm schreibt vor 12 Monate Bitte zudem nicht vergessen - das was hier flimmert ist a) für das internationale Publikum geeignet - und b) auch die Spitze des Eisbergs. Wer dort mal Fernsehen gesehen und Serien verfolgt hat, wird ebenso viel "schrottiges" entdecken... ;o) |
| Piratchett schreibt vor 9 Monate Tja, also ich hätte gar nix dagegen, dass eine Serie in Deutschland spielt, so lange sie gut gemacht ist. "Mein Leben und ich" habe ich heiß und innig geliebt (und tue es auch heute noch *g*) und "Die Cleveren" ist für mich nicht nur noch immer die beste Krimiserie, die je in Deutschland produziert wurde, sondern ich finde auch, dass sie sich nicht hinter ähnlichen amerikanischen Serien verstecken muss! Bei "Die Cleveren" wurde meiner Meinung nach tatsächlich mal alles richtig gemacht: Spannende Fälle, glaubhafte und gut geschilderte Charaktere, gute Hauptdarsteller und phantastische Gaststars (vorzugsweise als "der/die Böse der Woche")! Ich trage noch immer Trauer, dass "Die Cleveren" nicht mehr gedreht werden! *schnief* |
| ORPHEUMFilm schreibt vor 9 Monate Es ist ein rein kaufmännisches Kalkül: Eine amerikanische Serie kostet in der Synchro nur einen Bruchteil dessen, was eine deutsche Serie kosten würde - zudem weiß man nicht, ob diese "neue" Serie vom Zuschauer akzeptiert werden müsste, denn in den USA sind die meisten ja schon gelaufen ... Wenn mir ein deutscher Produzent sagt, dass manche Story-Line, die sich in einer einzigen Folge einer amerikanischen Serie verbirgt, nicht in einer ganzen Staffel einer deutsche Serie zu finden ist, dann ist es klar wieso eine deutsche Serie nicht so funktioniert wie eine amerikanische. Und wenn um drei Action-Sequenzen wie bei Cobra 11 notdürftig eine Story geklebt wird ist der Unterschied zu CSI (3Mio.Dollar pro Folge, also so viel wie ein deutscher Kinofilm verschlingt wenn er "teuer" ist) auch leicht nachvollziehbar. Klar gibt es gut und intelligente Serien - gar keine Frage. Aber die sind leider vieeeeel zu selten. |
Kathi Gormász veröffentlichte diese Meldung am Dienstag, 29.September 2009 10.00 Uhr
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