Letzte Woche ist die Soundtrack-CD mit der Filmmusik zur dritten Staffel der britischen SciFi-Serie Torchwood erschienen. In seinem ersten völlig eigenständigen Beitrag zur Serie unterstreicht Komponist Ben Foster auch die musikalische Klasse, die Children of Earth zu dem TV-Event des Sommers in Großbritannien gemacht hat.Vor kurzem hat Torchwood-Schöpfer Russell T Davies in einem Interview etwas sehr Treffendes über die Serie gesagt: Mit der dritten Staffel Children of Earth sei es Torchwood zu ersten Mal gelungen, aus dem Schatten von Doctor Who herauszutreten - und sich als eigenständig unter Beweis zu stellen. Etwas Ähnliches lässt sich auch von Ben Foster, dem Komponisten der Torchwood-Filmmusik sagen.
Jahrelang stand der Musiker, der sich vor allem als Orchestrator einen Namen gemacht hat - u.a. für The Hitchhiker's Guide to the Galaxy (2005) und The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor (2008) - im Schatten von Murray Gold, dem Komponisten von Doctor Who, für den er seit Ende 2005 als Orchestrator und Dirigent arbeitete. Aus vielen Interviews und Artikeln entstand zwar das Bild einer sehr engen und fruchtbaren Zusammenarbeit. Dabei blieb naturgemäß jedoch offen, welchen Anteil Foster tatsächlich an der bahnbrechenden Musik zu Doctor Who hatte.
Auch das erste Soundtrack-Album zu Torchwood, das Stücke aus den ersten zwei Staffeln der Serie vereinte, gab darüber nur bedingt Aufschluß: Zwar trat Foster hier zum ersten Mal auch als Komponist hervor, einige der zentralen Stücke (wie auch die Titelmelodie) gingen jedoch wiederum auf das Konto von Murray Gold.
Seit letzter Woche nun ist endlich die Soundtrack-CD mit dem Score von Children of Earth im Handel erhältlich - und damit der erste Soundtrack, den Ben Foster komplett allein zu verantworten hat. Zwar ist die musikalische Handschrift, die sein Kollege Gold dem Doctor Who-Universum verliehen hat, deutlich zu erkennen (vor allem die sehr melodische Grundanlage). Und doch gelingt es Ben Foster hier, klar eigene Akzente zu setzen.
Die Stimmen, die sein Kollege zuletzt in Doctor Who so gerne eingesetzt hat, auch Foster greift auf sie zurück, jedoch viel punktueller und konzentrierter (z.B. Clem Remembers). Anders als Murray Gold komponiert Foster viel dichter an den einzelnen Szenen, was allerdings auch den großen epischen Bogen dann und wann (Judgement Day) nicht ausschließt. Zu den grundlegenden Themen von Children of Earth gehört eine Art Kindermelodie (The First Sacrifice), die jedoch immer wieder gebrochen und verfremdet wird, was nicht unerheblich zum Gruselcharakter des Soundtracks beiträgt.
Für die zahlreichen Actionpassagen lässt Foster vorzugsweise Streicher und E-Gitarre gemeinsam rocken (z.B. in Torchwood Hunted), was je nach Arrangement wie ein Stück aus einem Bond-Film (Diplomatic Cars) klingt - oder ein alternatives Titelthema abgibt (Here Comes Torchwood). Für das Gefühl der Dringlichkeit und Dramatik prescht bisweilen auch das Schlagzeug in den Vordergrund (The Final Day). Dabei unterstreicht jedoch kaum etwas so sehr die Härte von Children of Earth wie das, was Ben Foster mitunter in einigen Schlüsselpassagen dem Piano abverlangt (Fighting Back).
Weite Teile des Soundtracks fallen in die Kategorie Spannungsmusik. Eine hervorstechende Ausnahme ist The Ballad of Ianto Jones, die - ohne an dieser Stelle irgendwelche Spoiler preisgeben zu wollen - die Emotionalität in der Beziehung zwischen Ianto und Jack perfekt einfängt - und zu einem herzzereißenden Abschluß bringt.
Hat man bei vielen TV-Soundtracks immer irgendwie das Gefühl eines Gemischtwaren-Ladens, da Stücke aus unterschiedlichen Episoden, ja Staffeln zusammengeworfen werden, macht Children of Earth - natürlich auch dank des Formats der Miniserie - einen viel kompakteren und geschlosseneren Eindruck. Und klingt damit in jeder nur denkbaren Hinsicht wie ein großer, satter Kino-Soundtrack. Die einzelnen Stücke sind auf der CD nach den Tagen (innerhalb der Handlung) geordnet, während derer sie zum ersten Mal zu hören sind, was dem Hörer erlaubt, auch die musikalische Dramaturgie, die hinter Children of Earth steckt, in ihrer zeitlichen Reihenfolge zu erfahren.
Fazit
Wer große Orchestral-Soundtracks mag, wird mit Children of Earth besser bedient als mit manchem Kino-Score. Es sollte mich nicht überraschen, wenn Ben Foster demnächst auch für einschlägige Hollywood-Blockbuster komponiert. Dass er das Talent dafür besitzt, stellt er mit der Musik zu Children of Earth eindrucksvoll unter Beweis. Ausgestattet mit einem sehr informativen und umfangreichen Booklet ist der neue Torchwood-Soundtrack auf jeden Fall eine Bereicherung in jeder Filmmusik-Sammlung. Und wer es nicht so mit der Filmmusik hat, der kann ja auf jeden Fall trotzdem mal die Ohren spitzen, wenn RTL2 ab 16. September die dritte Staffel von Torchwood in Deutschland zeigt - und kommt dabei vielleicht auf den Geschmack.
1 Kommentare| Späher schreibt vor einem Jahr In seinem ersten völlig eigenständigen Beitrag zur Serie unterstreicht Komponist Ben Foster auch die musikalische Klasse, , die Children of Earth zu dem TV-Event des Sommers in Großbritannien gemacht hat. Hm... Auch? Ich fand den Soundtrack eigentlich gar nicht sooo schlecht. ;-) -- zuletzt geändert:02.09.2009 12:23 |
Christian Junklewitz veröffentlichte diese Meldung am Mittwoch, 2.September 2009 12.00 Uhr
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