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Terminator: The Sarah Connor Chronicles - Born to Run

I love you too. Das waren am letzten Freitagabend Sarah Connors Abschiedsworte. Es klang so, als nähme damit auch die Serie Abschied von ihren nicht sehr zahlreichen, aber treuen Fans. Das Finale markierte einen Höhepunkt des Sci-Fi-Genres.


Nach dieser zweiten Staffel hat Sci-Fi im Fernsehen endlich das Niveau eines Asimov oder Lem erreicht. Mag sein, dass die FOX-Verantwortlichen diese beiden Autoren nicht gelesen haben, da ihr Job darin besteht, die Nielsen-Ratings zu lesen, aber an dieser Stelle sollen sie es noch einmal gesagt bekommen: Wenn sie diese Serie absetzen, dann gehen sie in die Geschichte ein - als der Sender, der mit Terminator: The Sarah Connor Chronicles und nicht einfach zwei TV-Serien, sondern zwei Artefakte der Kulturgeschichte frühzeitig terminierten.

Die Episode Born to Run war genialer Abschluss und übler Cliffhanger zugleich (falls die Serie verlängert wird). Es wurden genauso viele Fragen beantwortet wie neue gestellt. Und emotional knisterte es, als befänden wir Zuschauer uns mittendrin in einer der Terminator-Zeitreisen. Viele haben sich über die Langatmigkeit dieser zweiten Staffel beklagt, die sich zu lange bei bestimmten Figuren oder Ereignissen aufhalte.

Aber so ist es, wenn man vorhat, eine großartige Geschichte zu erzählen: man bringt sie langsam ins Rollen, bereitet sie vor, um genau zu diesen von den Zuschauern so geliebten überraschenden Wendungen zu kommen – je gründlicher und nachvollziehbarer sie vorbereitet werden, desto größer ihre Wirkung. Die emotionale Bindung, die dadurch geschaffen wird, kann nicht wieder getrennt werden. Und eins verzeihen Zuschauer einem Sender nie: wenn sie eine solche Bindung aufgebaut haben und diese ihnen dann weggenommen wird.

Terminator-Franchise hin oder her: Ich fand die Filme gut und cool, hatte aber nie eine emotionale Bindung zu ihnen, während Terminator: The Sarah Connor Chronicles zum ersten Mal tiefere Einblicke in diese fiktionale Welt bot und seine Komplexität und die seiner Figuren Anteilnahme entfachte. Kein Wunder, dass etliche Episoden der Serie von der amerikanischen Autorenvereinigung die Höchstnote bekamen.

Das von den Fans lang erwartete Treffen der Connors und der Weavers hat endlich stattgefunden, wenn auch nach Überwindung etlicher Hindernisse. Die zweite Staffel verfolgte das Schicksal der beiden Familien, die einander spiegelten: die beiden Johns mit ihren Müttern, Onkeln und Schwestern, vaterlos, was natürlich hervorragend in die religiös angehauchte Mythologie der Serie passte. Ich schätze, es wäre eine Dokumentation wert, wenn man ein Roundtable mit den berühmtesten Sci-Fi-Autoren und Josh Friedman organisieren könnte. So könnten wir mehr darüber erfahren, wie Cyborgs nicht Menschen, sondern einfach bessere Cyborgs zu werden versuchen, wie menschlich oder un-menschlich man handeln muss und kann, um ein Ziel zu erreichen, und die zentrale Frage diskutieren: Wie kann jemand weiterhin menschlich und ethisch bleiben, wenn er zum Überleben Dinge tun muss, die nicht human sind?

Aus diesem Blickwinkel ist die Szene sehr interessant, in der Cameron das Gefängnis stürmt, um Sarah zu befreien - ohne auch nur einen einzigen Wächter zu erschießen! Davor überbringt Sarah mit Hilfe eines Priesters John die Nachricht, dass er nicht versuchen solle, sie zu befreien. Aber in dieser zweiten Staffel ist es John, der entscheidet, was er tun muss und was nicht. Viel verstörender ist eine zweite Nachricht, die Weaver durch Ellison John zukommen lässt: „Will you join us?“ Wir erinnern uns an die Begegnung zwischen Jesse und Cameron in der Zukunft, nach den Vorfällen auf dem U-Boot.

Ja, es macht Spaß, wenn Puzzleteile zueinander passen! Diesmal wird die Frage in die umgekehrte Richtung gestellt; man sieht an Camerons Reaktion, dass sie weiß, was das bedeutet, aber in dem Moment lügt sie und behauptet, sie wüsste nicht, worum es ginge. Catherine Weaver ist es also, die zurückkam und um jeden Preis eine künstliche, moralische Intelligenz schaffen möchte, die im Kampf gegen SkyNet um die Zukunft kämpfen soll. Jetzt, in der Vergangenheit bzw. Gegenwart, entscheidet sie sich doch für die Connors.

Kurz vor dem Showdown bekommen endlich die Fans einer romantischen Beziehung zwischen Cameron und John ihre Szene, obwohl sie ebenso verstörend und traurig wie romantisch ist. Cameron zieht sich aus und legt sich aufs Bett; John, über sie gebeugt, muss unter ihrer Brust einen Schnitt machen und in ihrem Inneren nach dem nuklearen Kern tasten, um zu prüfen, ob alles mit ihr in Ordnung ist. Die Szene ist so gefilmt, dass wir nur kleine Details und die Gesichter der beiden zu sehen bekommen. Summer Glau und Thomas Dekker zeigen Schauspielkunst auf höchstem Niveau, die auf YouTube legendär werden wird.

Nach Sarahs Befreiung, bei der Cameron stark beschädigt wird, trifft sich die Familie mit Weaver. Als John und Sarah zum Fahrstuhl gehen, sagt er noch zu ihr: „I love you“.

Bei dem Treffen bekommen sie kaum Zeit, alle Karten aufzudecken. Nachdem Weaver den bösen Terminator mit Leichtigkeit auf dem Parkplatz ausgeschaltet hat (das war wirklich cool!), kracht jetzt ein Hunter Killer Drone ins ZeiraCorp.-Gebäude hinein, und Weaver rettet als Schutzschild die Connors und Ellison. Alle rennen zu John Henry und finden nur Cameron (die Sarah heimlich schickte ihn auszuschalten) leblos dort sitzen. Ihr Chip ist weg, und auf dem Bildschirm steht: „I'm sorry John“. Es sieht danach aus, als hätte Cameron John Henry ihren Chip gegeben, der mit Hilfe des Turks in die Zukunft gereist ist. Als Sarah anfängt, Weaver zu beschimpfen, antwortet sie: „Your John is going to save the world, but he can't do it without mine.“

Weaver und John reisen John Henry nach, in die Zukunft! Sarah und Ellison bleiben zurück. John wird schnell von Soldaten des Widerstandes gefunden - nicht von irgendwelchen, sondern von Derek. Weaver verschwindet. Und es scheint so, als würde niemand John Connor kennen, auch nicht der kurz darauf aufgetauchte Kyle, der Allison bei sich hat: die menschliche Grundlage für Cameron! An diesem Punkt, nach den wenigen Antworten, die wir bekamen, fangen wieder die Fragen an: Warum geht John Henry in die Zukunft? Warum gab ihm Cameron ihren Chip? Wer ist der Anführer des Widerstandes? Und die schlimmste: Werden wir das überhaupt je erfahren? Es besteht die kleine Hoffnung, dass sich FOX vielleicht für die Investition in ein etabliertes Franchise entscheidet, das sogar am Freitag seine kleine, aber treue und feine Fangemeinde hat, statt Millionen in neue Projekte zu investieren, die viel schlimmer enden könnten. Und sie haben keine wirklich große Auswahl.

Eins muss man noch zum Abschied sagen: Es ist großartig, dass die Terminator-Autoren den wirtschaftlichen Bedingungen und dem Druck, den das Network ausübte, standgehalten haben und nicht von ihrem Konzept und ihrer Vision abgewichen sind. Kompliment – nur so entsteht Kunst. Sie hätten eine flache Action-Version fürs Fernsehen produzieren können, aber sie entschieden sich, eine Mythologie daraus zu schaffen, Figuren mit Hintergrund und Tiefe, die die Fans emotional berührten.

Danke dafür!

Vladislav Tinchev veröffentlichte diese Meldung am Mittwoch, 15.April 2009 12.00 Uhr

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