Terminator: The Sarah Connor Chronicles wird besser und besser. Die letzten zwei Episoden: Today is the Day (1) und The Last Voyage of Jimm Carter (2) wurden als Doppelfolge angekündigt, obwohl sie unterschiedliche Titel tragen. Und sie haben endlich das in den Mittelpunkt gerückt, worum es hier geht: John Connor und die Terminatoren!Die beiden Episoden boten Terminator: The Sarah Connor Chronicles in Reinform. Unter anderem, weil wir seit langer Zeit endlich mal die Maschinen in ihrer wahren Erscheinungsform zu sehen bekamen: Glänzende Metalloberfläche, Totenschädel und rote Augen. Aber das Beste in dieser Doppelfolge war John. Und damit ist nicht John, der jammernde Teenager gemeint, sondern John Connor (Thomas Dekker) - der Anführer der Menschheit im Kampf gegen die Maschinen. Endlich sehen wir einen erwachsenen John, der entscheiden kann, wem er traut und wem nicht. Das Paradox daran ist, dass ausgerechnet Jesse (Stephanie Jacobsen), die darum bemüht ist, ihn von den Maschinen fern zu halten, diejenige ist, die John den Schritt zum endgültigen Vertrauen in die Maschinen ermöglicht. Endlich begreift John, dass er vermutlich allein Cameron (Summer Glau) trauen kann, denn sie wurde von ihm selbst geschickt. Und damit glaubt er endlich an sich selbst: an den gegenwärtigen und an den zukünftigen John Connor.
Wenn es so ist, dass der John aus der Zukunft den Maschinen vertraut, dann muss alles einen tieferen Sinn haben. In diesen zwei Episoden wurde diese wichtige Entwicklung durch eine sehr schöne Parallele sichtbar gemacht. Erstens fand John alles über die Beziehung Riley(Leven Rambin)-Jesse heraus und dementsprechend auch, wer für Rileys Tod verantwortlich war; dadurch führte er sich vor Augen, wie unzuverlässig und bösartig Menschen sein können, während Maschinen das tun, wofür sie programmiert sind: wenn man sich mit Maschinen umgibt, dann besteht kein Risiko, jemanden zu verlieren. Die Parallele dazu bilden Jesses Flashbacks aus der Zukunft, als sie zusammen mit Maschinen auf dem U-Boot dient(e). Als der erste Offizier (der ein Cyborg ist) plötzlich den Kurs wechselt, will sie Antworten haben - und bekommt zu hören, dass alles auf Befehl von John Connor geschieht. Sie müssen eine Lieferung für ihn abholen: von den Maschinen, wohlgemerkt. Was kann das sein? Und vor allem, von wem bekommt er das wirklich? Sind es die Skynet-Terminatoren oder eine andere rebellische Gruppe von Maschinen? Vermutlich Letzteres, denn als die Crew unerlaubterweise die Lieferung öffnet, kommt eine Art Formwandler-Terminator heraus, der aus flüssigem Metall besteht, die Form des nächsten Crewmitglieds annimmt, die Frau tötet und dann wieder in flüssiger Form verschwindet. Jetzt wird demonstriert, wie schwach, paranoid und grausam Menschen sind: Die Crewmitglieder machen Jesse dafür verantwortlich und treten sie fast zu Tode; sie ihrerseits macht den ersten Offizier verantwortlich und erledigt ihn, um dann das U-Boot in die Luft zu jagen. Kurz bevor Jesse auf das Rettungsboot umsteigt, taucht der flüssige Terminator vor ihr auf und fordert, sie solle John Connor mitteilen, dass die Antwort Nein sei. Als Jesse später Cameron diese Antwort mitteilt - die für alles, was John betrifft, auch in der Zukunft zuständig zu sein scheint -, sieht man, wie betroffen ein Cyborg sein könnte. Denn die Frage hatte gelautet: Wollt ihr euch uns anschließen?
Im Gegenzug bekundet Cameron Jesse ihr Bedauern, dass sie auf dem U-Boot ihr Baby verloren habe - von dem Jesse noch gar nicht wusste. Das erklärt einiges in Jesses Verhalten, aber die Frage, die sie sich nie stellt, ist: War nicht die menschliche Schwäche schuld daran - und nicht etwa die Maschinen? Mit dieser Parallelerzählung wird Johns Erkenntnis über Menschen und Maschinen bestätigt. Dieselbe Erkenntnis, über die auch Catherine Weaver (Shirley Manson) verfügt. Als Ellison (Richard T. Jones) sich über John Henrys (Garret Dillahunt) gefährliches Versteckspiel mit Weavers Tochter aufgeregt und ihm mitgeteilt hat, dass das menschliche Leben heilig sei, sagt Weaver auf John Henrys Behauptung hin, Ellison sei ein Freund von ihm: „Human will disappoint you.“ Hat der fließende Terminator etwas mit Weaver zu tun? Eins ist klar – in der Zukunft wird kein Zweikampf geführt, sondern es sind drei Seiten involviert! Und nach den Vorkommnissen auf dem U-Boot wurden die Maschinen, die sich John Connor anschließen wollten, vom menschlichen Versagen enttäuscht? Das werden wir noch am Ende dieser turbulenten Staffel vermutlich erfahren.
Ein anderer brillanter Moment in dieser Doppelfolge war Camerons Anruf mit Rileys Stimme bei ihren Pflegeeltern. Sie sollte nur dem Vater weis machen, dass Riley noch am Leben sei - aber dann wollte sie John sprechen und teilte ihm am Telefon mit, dass sie ihn liebt. Und es schien so, als würde sie nicht nur John dazu treiben wollen, der Sache und sich selbst auf den Grund zu gehen, sondern ihm wieder einmal die drei Worte sagen - wenn auch mit einer fremden Stimme.
Und John entschuldigt sich bei Cameron in Sarahs Anwesenheit, als sie denkt, er würde zu ihr reden: „I'm sorry I doubted you. No, not you - her.“ Ein harter Schlag für Sarah (Lena Headey), aber als John am Ende, überwältigt von Einsamkeit und Erwachsenwerden, auf dem Sofa zwischen Cameron und Sarah in Tränen ausbricht, nachdem er einen kurzen Blick auf die emotionslose Cameron geworfen hat, legt er sich auf Sarahs Schoss.
Kein Wunder, dass Terminator: The Sarah Connor Chronicles eine stabile Zuschauerschaft anzieht - deren Zahl aber nicht ansteigt: denn in die so dicht ineinander verflochtenen Geschichten kann man nicht mehr einsteigen, wenn man nicht von Anfang an dabei war. Aber liegt nicht genau hier die Anziehungskraft und gleichzeitig die wirtschaftliche Schwäche der Serials?
Vladislav Tinchev veröffentlichte diese Meldung am Montag, 30.März 2009 18.00 Uhr
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