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Franzi: Eine bayerische Kleinstadtserie „mit Pfiff“

Am Freitag, 27. Februar 2009, startet mit Franzi eine bayerische Kleinstadtkomödie in sieben Folgen im Bayerischen Fernsehen (BR). Wir sagen euch, ob sich ein Blick nach Erding lohnt.


Der Inhalt

Die Mittdreißigerin Franziska "Franzi" Ostermeier hatte alles so schön geplant. Nach der Hochzeit mit ihrem gutaussehenden und erfolgreichen Verlobten Markus geht sie mit ihm nach Peking, um dort im Bankwesen groß Karriere zu machen. Dumm nur, dass sie ihn kurz vor Abreise mit einer echten Chinesin in eindeutiger Stellung im Gewächshaus antrifft. Heulend setzt sie sich ins Auto und fährt nach Hause ins heimatliche Erding (zwischen München und Landshut gelegen), um wieder zu Sinnen zu kommen. Dumm nur, dass dort irgendwie alle eigene Probleme haben. Ihre Jugendliebe Werner "Flocki" Grüneis muss sich nach dem Tod seiner Mutter um das örtliche Modehaus mitsamt Verkäuferinnen kümmern, ihre beste Freundin Sandra unterstützt lieber ihren Lebensgefährten Robert bei der Eröffnung seines eigenen Druckerpatronenladens ("Robert's Tintentanke", stilecht mit Deppenapostroph) und ihre Mutter hat sich mit dem schneidigen türkischen Bademeister Hakan aus den Thermen einen jugendlichen Liebhaber geangelt („Der Hakan is in Erding geboren.“ - „Ja, und des vor gar nicht allzu langer Zeit! Mama, wie alt isn der?“).

Am besten wäre es also, Franzi würde am nächsten Tag einfach wieder zurück nach Hamburg fahren und alles mit Markus klären. Aber irgendwie kommt sie nicht weg aus Erding. Und ob sie's zugeben will oder nicht: Es gefällt ihr auch, wieder daheim zu sein.

Die Charaktere

Franziska "Franzi" Ostermeier (Jule Ronstedt) ist noch die Normalste unter allen, aber sie hat auch lange Jahre nicht in Erding gelebt. Was einiges erklärt.

Ihre beste Freundin Sandra (Kathrin von Steinburg) besticht durch ihre naive Schlaumeierei („Woaß man oft ned, gej? Obs gscheider is, wenn man alles woaß, oder ... tierisch kompliziert oft.“). Leider hat sie nie den Absprung aus Erding geschafft und ihre Arbeit beim Landratsamt ist alles andere als prickelnd. Da wundert es nicht, dass die achtjährige Beziehung zu Robert Weindl (Stephan Zinner) beinahe ihr Lebensinhalt wurde. Er wiederum will nun eine Druckerpatronentankstelle eröffnen - wahrlich eine Geschäftsidee mit Zukunft - und klammert sich mithilfe seiner Motörhead-T-Shirts an ein wilderes Leben. Nur für die Mettlermatte reichen die Haare dann doch nicht mehr, was wiederum die Brandl Vroni nicht stört. Denn sie hat mehr als nur ein Auge auf Robert geworfen.

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Werner "Flocki" Grüneis (Sebastian Bezzel) wollte eigentlich schon immer als Trompeter mit dem Rundfunkorchester um die Welt reisen, ist aber jetzt im verstaubten Modehaus Grüneis gefangen. Ein Familienunternehmen mit jahrhundertealter Tradition - naja, seit dem Krieg -, wo er mit dem Einkauf von Dirndln in frechem Ethnomix und jeansartigen Hosen in Blau mit Pfiff überfordert ist. Die mitgeerbten Verkäuferinnen Frau Konstantinides („Woaß doch a jeder, dass die aus Altötting is und nur ihr Mo a oider Grieche.“) und Frau Göberl („Das hat Pfiff.“) haben ihn dabei voll im Griff. Zum Ausgleich schippert er dann lieber mit einer echt venezianischen Gondel über den Dorfweiher.

Franzis Mama Traudl wird gespielt von Gisela Schneeberger - Gerhard Polts liebster Bühnen- und Filmpartnerin. Muss man mehr sagen? Und Jörg Hube veredelt die Serie mit einem Gastauftritt als Franzis seit Jahren in Afrika und der Welt umherreisender Vater.

Alle Figuren haben a bissl an Hau weg, aber das ist wiederum ziemlich normal aufm bayerischen Land. Denn Finanzbeamte heißen hier auch Kollmannsberger Zupfi („Ich heiß Reinhard!“) und saßen in der Schule eine Bankreihe hinter einem. Und weil Werner ihn damals nicht in seinem Miles-Davis-artigem Quintett hat mitspielen lassen, gewährt Zupfi ihm jetzt halt auch keinen Tag Fristverlängerung bei der Steuererklärung. Ja, Bayern sind wie Elefanten: Dick, gemütlich und vor allem nachtragend.

Die Darsteller

Die Serie ist vielleicht nicht mit namhaften - außer Gisela Schneeberger - aber dafür mit guten und zumindest im südlichen Deutschland „gsichtsweis“ bekannten Darstellern besetzt. Vor allem Sebastian Bezzel dürfte vielen aus den Filmen Schwere Jungs und Brandner Kaspar, sowie den Tatorten des SWR und der preisgekrönten RTL-Serie Abschnitt 40 bekannt sein. Die anderen Schauspieler haben fundierte Schauspielausbildungen hinter sich und können eine beachtliche Filmographie im "jungen bayerischen Film" - der in letzter Zeit ernome Erfolge verzeichnet, siehe Wer früher stirbt, ist länger tot, Marcus H. Rosenmüllers "Beste"-Trilogie oder Shoppen - vorweisen. Besonders authentisch in ihrer Rolle ist dabei Kathrin von Steinburg als beste Freundin Sandra, die genau so in jeder bayerischen Kleinstadt anzutreffen ist. Wirklich wahr.

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Die Kritik

Wobei wir auch schon beim Thema wären. Franzi ist als Ganzes sehr amüsant - vor allem dank der treffenden Dialoge - und besonders herzhaft werden diejenigen Zuschauer lachen, die in einer bayerischen Kleinstadt aufgewachsen sind oder zumindest einige Jahre in einer solchen gelebt haben. Denn wenn die Serie eines schafft, dann das wahre Leben dort mit all seiner liebenswerter Schrulligkeit, Absurdität und abschreckender Kleinbürgerlichkeit - die sich sehr oft als Weltgewandtheit tarnen möchte - abzubilden. Die Figuren und Geschichten sind dabei ein Spiegelbild dieser Mentalität, wo ein Latte Macchiato das In-Getränk schlechthin ist und „mit Pfiff“ die höchsten Weihen in der Modebranche darstellen.

Franzi ist vielleicht nicht sofort auf einer Ebene mit Monaco Franze, der Hausmeisterin, Irgendwie und Sowieso oder München 7 anzusiedeln und wird vielleicht auch nicht deren Kultstatus erreichen. Vielleicht aber doch.

Die Serie ist also für Einheimische südlich des Mains ein Muss und für alle Anderen auf jeden Fall einen Versuch wert - nicht zuletzt wegen ein paar wirklich guter Oneliner.

Eine bayerische Kleinstadtkomödie in sieben Folgen (je 25 min.): freitags, ab 27. Februar 2009 um 21.45 Uhr mit einer Doppelfolge. Danach immer um 22.05 Uhr.

Die Serie FRANZI ist eine Produktion der Infafilm GmbH Manfred Korytowski im Auftrag des Bayerischen Rundfunks. Die Dreharbeiten fanden von Mai bis Juli 2008 in Erding, München und Umgebung sowie in Venedig statt. (Buch: Peter Bradatsch, Regie: Matthias Kiefersauer)

Bettina Ebenbeck veröffentlichte diese Meldung am Donnerstag, 26.Februar 2009 15.00 Uhr

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