Exklusives und erstes deutsches Review der ersten vier Episoden der neuen Staffel. Dank der Premiere-Redaktion konnten wir an dem Fox-Screening teilnehmen und die ersten vier Folgen der neuen Staffel sichten. Der Artikel enthält einige Spoiler (die meisten kennt man sowieso schon), obwohl ich mich bemüht habe, Vieles nicht zu verraten! Deswegen, seid gewarnt und nicht böse, wenn ihr weiterlest!Der Secretary of Homeland Security, Michael Chertoff, sagt: I love 24. Kiefer Sutherland findet diese Vermischung von Fiktion und Realität einfach nur „surreal“. Am Set von 24 in Washington kann man die „fiktiven“ FBI-Agents nicht mehr von den realen unterscheiden. Nach sechs Staffeln in L.A. kommt Jack Bauer nach Washington, um mit der siebten Season 24 wieder an die Spitze der aufregendsten und spannendsten Drama-Serien der heutigen Zeit zu gelangen. Ich sage nicht umsonst „der heutigen Zeit“, da das herausragende Merkmal der Serie genau in der Reflexion über gesellschaftliche Mentalitäten des heutigen Amerika besteht. Natürlich handeln auch andere Serien davon, aber 24 wendet sich den ethisch und politisch problematischsten Themen zu: ja, eben der „unmöglichen“ Verbindung zwischen Ethik und Politik nimmt sich die Serie an. Und das auf schonungslose, beinahe aggressive Art, die am Anfang, als 24 knappe zwei Monate nach 9/11 startete, niemand in Frage stellte. Es war egal, wie Jack die Terroristen stoppte, Hauptsache er stoppte sie. Nach Abu Ghraib und Guantanamo eskalierte die PR-Krise um die Serie, als sogar der Supreme Court Justice Antonin Scalia die Serie im Zuge seiner Verteidigung von Verhörmethoden auf einer Konferenz in Ottawa zitierte:
„Jack Bauer saved Los Angeles ... He saved hundreds of thousands of lives! Are you going to convict Jack Bauer?“
So geriet 24 nach und nach unter Beschuss (dieser Problematik werde ich in einem anderen Artikel nachgehen) – etwa zu der Zeit, als auch Kritik an der sechsten Staffel aufkam, die viele enttäuschend fanden (ich zähle aber nicht dazu). So lag die „Rettung“ nur im Autorenstreik, der den Machern von 24 eine lange benötigte Denk- und Verschnaufpause gab. Man wollte einen Neuanfang.
Das heißt nicht, dass Jack plötzlich Missionar und Friedensstifter würde. Er versucht es zwar, wie in 24: Redemption zu sehen war, aber wie die neue Partnerin von Jack, die FBI-Agentin Renee Walker (Annie Wersching) sagt, „you have to pull Jack into the field to deal with more pressing matters“.
Ja, so ist es. Dabei handelt sich bei diesem „massive international security breach“ um die Mittäterschaft eines alten und tot geglaubten Bekannten – Tony Almeida. Auferstanden von den Toten (obwohl die Fans wissen, dass damals die „SILENT“ Uhr nicht gezeigt wurde, die die offizielle Markierung eines Todes darstellt), bietet seine Figur genau den Dreh- und Angelpunkt, den eine 24-Staffel benötigt, der den dramaturgischen Mechanismus der Serie in Gang bringt: Ist er böse geworden - und wenn, warum? Oh, doch nicht? Oder doch ja? Und Tonys Rückkehr ist alles andere als unglaubwürdig. So verschaffen sich die Produzenten die Möglichkeit, immer wieder „twists and turns“ in die Handlung einzubauen, denn was wäre 24 ohne Überraschungen? Bis auf Tony aber gibt es in den ersten vier Folgen der neuen Staffel nicht so viele. Kritiker der Serie würden sagen, dass die neue Staffel alle 24-Klischees in kürzester Zeit „abfeuert“. Für Fans allerdings erwärmt es nach der langen Pause die Seele, alle 24-Stärken in geballter Ladung vor Augen geführt zu bekommen, wie wenn die Produzenten sagen wollten: Erinnert euch daran, was wir drauf haben!
Das spürt als erste die Präsidentin (ja, 24 war immer fortschrittlich, was die Präsidentenwahl betrifft), die prompt vor einer schweren Entscheidung steht: Soll sie das Sangala-Massaker weiter geschehen lassen oder das Leben Tausender Amerikaner riskieren? Amerikaner oder Sangalesen? Eine unmögliche Entscheidung! Von solchen Momenten lebt die Spannung in der Serie. Natürlich gibt es Maulwürfe beim FBI, dem Secret Service, der Regierung usw., und der Tod des Präsidentensohnes ist anscheinend kein Selbstmord gewesen.
Was ist Schein und was ist Sein?
In einer Welt aus Lügen, wie die Serie Amerika präsentiert, sind die einzigen Konstanten Jack Bauer und ... Chloe. Ja, sie ist wieder an Jacks Seite, zusammen mit Bill Buchanan. Und schon mal vorab – ihre großen Auftritte kommen später in der Staffel, als sie mit der FBI-Systemanalystin Janis Gold (Janeane Garofalo) ein Team bildet! Folgerichtig versuchen die Produzenten in diesen ersten Folgen die neuen Figuren aufzubauen, ihre Qualitäten ans Tageslicht zu führen. Allen voran Renee Walker, die eine besondere Funktion erfüllt. Nicht nur dass sie Jack unterstützt, sondern sie unterstützt auch seine Methoden. Viele haben sich gefragt, wie 24 mit den Foltervorwürfen umgeht. Nach Aussagen der Produzenten bekam man den Eindruck, dass sie mit dem Thema durch wären. Weit gefehlt! Anfangs ist es so, dass jede fünfte Minute eine Figur darüber redet, wie schlimm und illegal Folter sei. Bis plötzlich gegen Ende der ersten Folge Agent Walker die folgenden Zauberworte zu Jack sagt:
Whatever it takes!
Innerhalb einer Sekunde kniet Jack schon auf dem Verdächtigen und droht ihm einen Kugelschreiber ins Auge zu rammen. Und damit ist auch nicht Schluss, denn in der vierten Folge ist es Renee, die einen Gefangenen im Krankenhaus foltert. Wenn das nicht eine dramaturgische Ohrfeige für die Kritiker ist! Eine Frau übernimmt Jacks Handwerk. Mal sehen, wie die Produzenten das rechtfertigen werden. Was sie nicht rechtfertigen müssen, ist das visuelle Erscheinungsbild der Serie. Die Bilder sind stylish und spektakulär! Da kann man nichts anderes sagen als: Ganz großes Kino!
Die zu 70 Prozent „on location“ gefilmten Folgen haben ihre Farbpaletten behalten, die wir aus den früheren Staffeln kennen: einerseits den grau-schäbigen Look, andererseits die wärmeren, sepiafarbenen Licht-Farbe-Kompositionen. Die FBI-Räumlichkeiten entsprechen ebenfalls dem Beleuchtungsschema der CTU: viel Licht (hauptsächlich durch Deckenleuchten, Tischlampen und Computerbildschirme), aber dafür kühle Farben aus der gesamten blauen Palette, mit jeweils unterschiedlichem Grad der Sättigung. Das einzige, was farblich heraus sticht, ist die bordeauxfarbene Krawatte des so genannten „by-the-book“-FBI-Chef Larry Moss (Jeffrey Nordling). Die Räume, in welchen sich Terroristen aufhalten, werden von den Farben Grün, Braun und Sepia dominiert, sind spärlich ausgeleuchtet, mit vielen Schatten; dadurch wirken sie unübersichtlich.
Es wird wie immer bei 24 fast jede Szene mit zwei Kameras gefilmt, indem Kamera A sich auf die Handlung konzentriert bzw. auf die Sprechenden, während Kamera B immer einen ungewöhnlichen Winkel wählt und auch andere Details filmt, so dass wir Zuschauer durch den Endschnitt innerhalb einer Szene in rasantem Tempo auf unterschiedliche Details aufmerksam gemacht werden. So entsteht in uns das Gefühl der Teilnahme; als „versteckte Beobachter“ können wir versteckte Blicke auf Bild- und Handlungsdetails werfen. Wenn zum Beispiel innerhalb einer Unterhaltung im Oval Office die Kamera A zwei Gesprächspartner zeigt, zoomt aus einer anderen Perspektive die Kamera B auf das Gesicht einer dritten Figur, um uns auf deren Reaktion aufmerksam zu machen. So bekommen wir zusätzliche Information - oder werden in die Irre geführt, was die Absichten einer bestimmten Figur betrifft. Die A-Kamera wechselt an Hand von Zoom zwischen Gesprächspartnern, die sehr oft im Vorder- und Hintergrund positioniert werden, wobei der jeweils Sprechende scharf und der Gesprächspartner unscharf gezeigt wird.
Die Handkamera (70 % von 24 werden mit Handkamera gefilmt) schafft es weiterhin – auch mit Hilfe von Snap-Zoom im Bereich 3:1 -, vor allem bei Szenen, die in geschlossenen Räumen spielen, die gewohnten hochdynamischen, fast aggressiv schnellen Aufnahmen zu liefern. Wir wissen, dass in 24 mehr als in jeder anderen Serie telefoniert wird. Damit die Telefonsequenzen nicht langweilig und eintönig rüberkommen, vollführt die 24-Crew sehr energische Kamerabewegungen, die von den 24-Kameramännern als „tagging“ bezeichnet werden. Wenn zum Beispiel eine Figur nach ihrem Handy greift, „markiert“ die Kamera die Tasche, folgt dann dem Handy, springt zurück zum Gesicht der Figur, schwenkt dann zu etwas Anderem im Raum und kommt wieder zurück. Innerhalb von 10 Sekunden sehen wir manchmal sechs unterschiedliche Framings, die dem Zuschauer als eine kontinuierliche Aufnahme erscheinen und die Spannung extrem steigern.
UND SO LANGE DIE SPANNUNG DA IST, HAT DIE SERIE IHR ZIEL ERREICHT.
Sutherland sagt: „I still believe in Jack Bauer and I hope America still does!“
Jack, keep on ticking!
Premiere zeigt die 7. und neueste Staffel der Kult-Actionserie 24 erstmals parallel zum US-Start. Mit einer Doppelfolge geht es am 12.1. um 20:15 Uhr los, danach folgt jede Woche montags eine neue Episode. Bereits in der Nacht vom 11.1. auf den 12.1. wird die erste Episode der 7. Staffel als Special Preview um 5:15 Uhr parallel zum US-Start ausgestrahlt.
Vladislav Tinchev veröffentlichte diese Meldung am Donnerstag, 8.Januar 2009 12.00 Uhr
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