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War At Home: Start von «Hinterm Sofa an der Front» bei RTL II

Der deutsche Sender RTL II strahlt ab heute werktäglich gegen 16:30 Uhr die bissige Familiencomedy Hinterm Sofa an der Front aus, die in den USA für zwei Jahre unter dem Titel The War at Home lief und an der sich hierzulande bereits der große Bruder RTL (unter dem Titel Familienstreit de luxe) erfolglos probiert hatte.


In den USA wurde die Serie The War at Home über zwei Staffeln lang von 2005 bis 2007 beim Sender FOX ausgestrahlt. Dann wurde die bissige Familiencomedy mit ein bisschen Herz abgesetzt. In Deutschland versuchte schließlich RTL, die Serie in seinem Samstag-Nachmittäglichen Comedy-Umfeld zu senden. Doch schon mitten während der ersten Staffel wurde die Serie aus dem Programm genommen, weil sie nicht die gewünschten Zuschauerzahlen erbringen konnte. Nun versucht sich RTL II daran, die Show in seinem täglichen Comedy-Block unterzubringen.

Da beide Serien sich den gleichen amerikanischen Sender teilen, liegt ein Vergleich von Hinterm Sofa an der Front zum Klassiker Eine schrecklich nette Familie nahe, denn die jüngere Serie wirkt durchaus wie eine Neuinterpretation, die allerdings doch deutlich realitätsnäher ist.

In The War at Home geht es um eine Familie mit drei Kindern, die ihr eigenes Haus bewohnen. Vater Dave Gold (Michael Rapaport) ist ein kleiner Angestellter einer großen Versicherungsfirma. Seinem Job bringt er nicht viel Elan entgegen, weswegen für ihn ein beruflicher Aufstieg außer Frage steht. Wenn er abends nach Hause kommt, muss erstmal ein Bier aufgemacht werden, und von seinen drei kleinen Unfällen (aka Kindern) will er eigentlich nur in Ruhe gelassen werden.

Seine Frau Vicky (Anita Barone) ist da schon eher mit Muttergefühlen gesegnet, wechselt aber zwischen der Angst, dass ihre Kinder nie so cool sein werden wie sie in deren Alter und der, dass ihre Tochter vielleicht eben doch „so cool“ sein könnte - und früher als geplant schwanger nach Hause kommt. Früher hatte Vicky als Immobilienmaklerin gearbeitet, doch jetzt ist sie eigentlich ganz froh, dass ihr wenig ehrgeiziger Mann ihr eine Entschuldigung liefert, das Leben selbst auch nur mit halber Kraft anzugehen. In Manier einer guten Hausfrau ist ihr größtes Talent, ihren Mann dazu zu bringen, zu tun, was sie von ihm erwartet.

Ältestes Kind ist Tochter Hillary (Kaylee DeFer), die sich selbst als „theoretisch noch Jungfrau“ bezeichnet. Sie hat anfangs noch zwei Jahre Schule vor sich, und Jungs oder Telefonate mit ihren Freundinnen sind ihr deutlich wichtiger, als an gute Noten für einen späteren Collegebesuch zu denken. Entsprechend versucht sie, den Grad ihres Soziallebens vor den Eltern zu verheimlichen, hat aber gelegentlich Anwandlungen, Daddys kleines Mädchen sein zu wollen.

Das mittlere Kind, Sohn Larry (eigentlich „Lawrencen“; dargestellt von Kyle Sullivan; Malcolm in the Middle), ist der Außenseiter. Kein Verständnis von Sport, ist er für den Vater häufig Objekt des Spots und vor allem der falschen Unterstellung, dass der kleine Versager nicht mal Interesse an Mädchen habe, sondern eher dem eigenen Geschlecht zugetan sei. Hätte er nicht seinen besten Freund, den Nachbarssohn Kenny (Rami Malek), wäre Larry vermutlich komplett verloren. Oh ja, natürlich ist Kenny insgeheim schwul und findet Larry „so richtig toll“.

Jüngster im Bunde ist Sohn Mike (Dean Collins), der den Beginn der Pubertät mit vollen Zügen auslebt und auch sonst eher der Liebling seines Vaters ist. Das Schauspiel und die Tricks seiner Schwester durchschaut er und für seinen älteren Bruder hat er nur ein müdes Kopfschütteln übrig.

Wie gesagt ähnelt Hinterm Sofa an der Front von seinen Grundstrukturen her sehr stark einer modernisierten und realitätsnäheren Version von Eine schrecklich nette Familie. Der Ton - gerade von Vater Dave gegenüber seinen Kindern und hier wiederum besonders gegenüber dem ältesten Sohn - ist wenig herzlich, öfters hält er Monologe über die Geschehnisse der Welt. Nur selten - dann aber an politisch korrekter Stelle - entdeckt Dave echte Vatergefühle in sich.

Haupt-Stilmittel der Serie, um Humor zu erzeugen, sind abrupte Szenenwechsel, in denen wir die Figuren einzeln in einem weißen Raum sehen und in denen sie uns erzählen, was sie wirklich denken - fast immer im Gegensatz zu dem, was sie gerade in der laufenden Handlung gesagt haben. Das funktioniert eigentlich ganz gut. Und wer denn den teils sehr bissigen, lieblosen Ton der Familienmitglieder untereinander lustig findet, der wird auch von dieser Comedy gut unterhalten werden.

Bernd Michael Krannich veröffentlichte diese Meldung am Mittwoch, 7.Januar 2009 07.00 Uhr

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