Am Dienstag beginnt in den USA die mutmaßlich letzte Staffel der Krankenhaus-Comedy Scrubs. Aus diesem Anlass hat Entertainment Weekly-Kolumnist Michael Ausiello ein Interview mit Serienschöpfer und Showrunner Bill Lawrence geführt. Darin geht es um die letzte Staffel, die letzte Episode und das Fernsehgeschäft allgemein.Zunächst jedoch noch einige Vorbemerkungen zu den bisherigen Ereignissen, auf die im Interview angespielt wird. Scrubs lief sieben Staffeln lang beim Sender NBC, wo die Serie aber geradezu schon sprichwörltich wenig Unterstützung erfuhr: Häufige Sendeplatzwechsel, fast gar keine Promotion. Eigentlich sollte dort die siebte Staffel die letzte sein, aber als das Serienende durch den Autorenstreik der letzten Season in Gefahr geriet, sprang der Sender ABC ein und bestellte eine weitere Staffel.
Bekannt war schon zuvor, dass Hauptdarsteller Zach Braff die Serie nach der ab morgen beginnenden achten Staffel verlassen würde, ebenso dass sich Bill Lawrence neuen Aufgaben widmen würde . Die Staffel ist mittlerweile abgedreht, es gibt aber noch die Möglichkeit, dass ABC eine neunte Staffel bestellt. Auf jeden Fall werden in der achten Staffel einige neue „Anfänger“ auftreten, die auch in den die Staffel begleitenden Webisodes gefeatured werden. Doch nun zum Interview:
Ausiello: Die ersten beiden Episoden waren deutlich ernsthafter, als wir es zuletzt von 'Scrubs' gewohnt waren. Es fühlte sich eher an, wie in den früheren Staffeln. Warum der tonale Wandel?
Bill Lawrence: Ich hatte das Gefühl, dass wir ein bisschen albern geworden waren. Um dem Finale Gewicht zu verleihen, mussten wir uns wieder der Grenze zur Realität annähern, damit die Handlung den Zuschauern nahe geht. Und wir hatten uns zuletzt in einem Gebiet aufgehalten, wo jeder Charakter so falsch, unreal war, das sie sich niemand mehr zu Herzen nahmen.
Werden alle Charaktere ihr eigenes kleines 'send-off' kriegen?
Ohne Zweifel. Jeder hat seine eigene Episode, in dem resümiert wird, wo die Figur gerade ist und wie es mit ihrer Zukunft weitergehen soll. Sogar einige echte Nebencharaktere, von denen ich das Gefühl hatte, dass ich ihnen nicht gerecht worden war. Wie Ted Buckland, der Anwalt. So ein guter Schauspieler (Darsteller Sam Lloyd), also gab ich ihm dieses Jahr eine Freundin und ein 'echtes' Leben. Mein Plan war immer, für jeden Charakter eine Auflösung zu haben, und es nicht zu 'süß' zu machen. Ich glaube, alle werden zufrieden sein. Wir haben den Schnitt des Finales gerade beendet und es bei ABC (unserem amerikanischen Sender) gezeigt, und sie mochten es.
Ist es eine einstündige Episode (als eine Doppelfolge)?
Es war eigentlich als halbstündig geplant, aber schließlich habe ich soviel extra Szenen gedreht, dass das Network es auf eine volle Stunde aufgestockt hat.
Worum wird es in der Episode gehen?
Es geht um J.D.s Abschied vom Sacred Heart und darum, ob man an seinen Beziehungen und Freundschaften aus der Jugend festhalten kann, oder ob einige einfach unter die Räder kommen. J.D. nimmt einen Job in einem 37 Minuten entfernten Krankenhaus an, weil es in einer Stadt liegt, wo Kim (Elizabeth Banks) mit seinem Kind lebt; er will in der selben Stadt sein, wie sein Kind. Er glaubt, es würde keinen Unterschied für sein Leben machen, aber natürlich tut es das. Es ist ein bisschen bitter-süß, aber ich glaube nicht, dass es die Zuschauer runter reißen wird.
Wofür hat man sich letztendlich in der ganzen J.D./Elliot Geschichte entschieden? Es war ja kein Geheimnis, dass Du sie eigentlich nicht zusammen enden lasen wolltest.
Ich will jetzt den Zuschauern nicht zuviel verraten. Sagen wir einfach, schlussendlich habe ich mich auf einen Kompromiss eingelassen.
Du hattest außerdem versprochen, wir würden den wahren Namen des 'Janitors' erfahren. Du musst ihn mir jetzt nicht verraten, aber bist Du glücklich mit Deiner Wahl?
Ja, aber ich glaube nicht, dass jemand deswegen besonders ekstatisch ist oder sein wird. Neil Flynn und ich sind glücklich mit der Wahl. Wir hatten dass Gefühl, wir hatten uns da eine Bürde aufgebunden, indem wir ihn so lange verschwiegen hatten - nun hatten wir das Gefühl, wir müssten mit was großem, genialen kommen. Schließlich entschlossen wir uns, 'zur Hölle damit', und wir sind nicht mit was besonderem gekommen. J.D. fragt ihn schließlich (im Finale) und der 'Janitor' antwortet ihm. Keine große Sache.
Wie stehen die Chancen, dass die Serie ohne Dich und Zach doch noch eine weitere Season bekommt und läuft?
ABC wirbt wirklich wie wahnsinnig für Scrubs. Es ist seltsam. Es ist das erste Mal in sieben Jahren, dass ich Werbung für die Serie gesehen habe. Es gibt eine große Anzeigentafel nahe Warner Bros., die so groß ist, wie mein Haus. Die Wahrheit ist, dass Scrubs eine Show mit einem sehr vernünftigen Kostenfaktor ist. Und ohne die (über die Jahre deutlich gestiegenen) Gehälter von Zach und mir ist die Serie vermutlich sogar billiger, als eine neue Show. Und die Serie ist bereits in Syndication, also von jeder produzierten Episoden erhält ABC schließlich noch mal eine Millionen USD zurück. Ich glaube nicht, dass es eine 'kreative' Entscheidung sein wird. Ich denke, wenn die Staffel anläuft und im Februar ein 3er Rating (in der Zielgruppe der 18-49-jährigen Zuschauer) hat, wird sie für noch ein Jahr verlängert. Und wenn nicht, dann nicht. Und wenn es knapp ist, dann werden sie abwarten und sich zunächst ihre neuen Piloten anschauen und dann entscheiden. Es liegt wirklich nicht in meinen Händen, denn es ist eine finanzielle und geschäftliche Entscheidung, keine kreative.
Würdest Du es vorziehen, dass es mit Dir und Zach endet?
Mein ursprünglicher Wunsch war sicherlich, dass die Serie endet wenn ich aussteige. Aber eins von Sachen, über die wir (im Umfeld der Show) ausführlich gesprochen haben ist a) das ist halt nur mein persönliches Ego, und wen interessiert das schon; und b) anscheinend gibt es hier momentan irgend so ein Problem mit der Wirtschaft. Bei uns arbeiten 122 Leute, und ehrlich gesagt gibt es momentan nur sechs Single Kamera Comedies im Fernsehprogramm. Einer der Gründe, warum ich mit beiden möglichen Entscheidungen meinen Frieden gemacht habe, ist dass es da draußen keine Arbeit gibt. Wenn es eine Möglichkeit gibt, dass die Serie noch ein Jahr läuft, dann behalten alle Leuten hier ihren Job. Es sind maue Zeiten. Der einzige Grund, warum ich protestieren würde, wäre, wenn jemand mit einer wirklich dämlichen, unpassenden Idee käme, wie die Show weiter zu führen wäre. Etwa "Wir nennen es Scrubs, aber anstatt Zach Braff nehmen wir Hilary Duff als Hauptdarstellerin, weil sie momentan angesagt ist!". Dann würde ich sagen: "Macht nicht so einen Sch..., das ist Müll." Aber momentan sind hier noch sechs Autoren beschäftigt, die alle schon seit mehr als sieben Jahren dabei sind. Jeder hat seine eigene Vision, wie es weitergehen könnte. Und alle Ansätze, die mir bisher zu Ohren gekommen sind, sind mehr wie 'Frasier' zu 'Cheers' als wie 'AfterMASH' zu 'M*A*S*H'.
(Anmerkung: Sagen wir es mal so: Zurecht wird kaum ein Leser je etwas von AfterMASH gehört haben, geschweige denn je eine Episode gesehen haben; der Versuch, die populäre Serie M*A*S*H - das Serienfinale ist noch immer der einschaltquotenstärkste fiktionale Inhalt der US-Fernsehgeschichte - ohne ihre Stars fortzusetzen, scheiterte kläglich.)
Gibt es einen Teil in Dir, der hofft, die Serie performt auf ABC gut, nur um Eurem alten Sender NBC zu ärgern?
(Lacht) Die Wahrheit ist, mir wären Einschaltquoten vollkommen egal, wenn es nicht darum ginge, die NBC-Verantwortlichen sich dumm vorzukommen zu lassen. Dies ist das erste mal in fünf Jahren, dass (schlechte) Einschaltquoten mich wirklich treffen würden. Wenn die Show besser Quoten einfährt, als sagen wir mal 'Kath & Kim', würde mich das wirklich glücklich machen. Eins der Probleme mit dem Network TV-Geschäft ist, dass Loyalität nicht belohnt wird. Es ist bis zu dem Punkt gekommen, dass wenn mir eine neue Serie gefällt, ich mir zuerst die Quoten anschaue, bevor ich mich vollkommen darauf einlasse. Wenn es nicht der Überhit ist, bin ich sehr vorsichtig, wie sehr ich darin eintauche. Ich mag 'Life'. Ich finde, Damian Lewis ist ein sehr interessanter Schauspieler. Aber ich wusste, die Serie lief nicht sonderlich, also bin ich ausgestiegen - denn ich weiß, dass eine Serie, selbst wenn sie als kreativ gelungen gilt, verschwinden wird. Und das ist so blöd. Sie schaffen sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Mein Bauchgefühl ist, wenn eine Serie einem Network mal 20 Millionen verdient hat, dann sollten sie ihr ein ordentliches Ende gönnen. Es geht hier nicht nur um Scrubs (*). Sie haben 'Las Vegas' auch nicht ordentlich abgeschlossen. Schließt die Serien ordentlich ab! Leute glauben, das Fernsehen stirbt, und das stimmt nicht. Network Fernsehen stirbt. Mehr Menschen denn je schauen Fernsehen, es gibt halt nur auch gutes Zeug bei anderen Quellen (Kabelfernsehen) - und diese Leute belohnen ihre Zuschauer. Fernsehen ist nicht tot, beschis.... Fernsehen ist tot.
(*: Man erinnere sich: Als durch den Streik der Drehbuchautoren die Dreharbeiten zur siebten Staffel von Scrubs unterbrochen wurden, hing ein geplanter, 'runder' Abschluss der Serie längere Zeit in der Luft; die Möglichkeit, das die Serie einfach mitten in der Staffel - mit einer zufällig 'als letztes' produzierten Episode - enden würde, war durchaus real.)
Bernd Michael Krannich veröffentlichte diese Meldung am Montag, 5.Januar 2009 10.00 Uhr
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