Auch die Hilfe eines amtlichen Mediators konnte die Gespräche zwischen der Schauspielergewerkschaft SAG und dem Verband der Film- und Fernsehproduzenten AMPTP nicht voran bringen. Die SAG wird jetzt wohl ihre Klientel um eine Streikerlaubnis bitten - zunächst jedoch nur als verbesserte Verhandlungsbasis.Da es an dieser Front in den letzten Monaten etwas ruhiger war, zunächst nochmal eine Zusammenfassung bisheriger Geschehnisse. Am 30. Juni diesen Jahres lief der Tarifvertrag der amerikanischen Film- und (Primetime) Fernsehschauspieler (vertreten durch die Gewerkschaft Screen Actors Guild, kurz: SAG) mit dem Verband der amerikanischen Film und Fernsehproduzenten (vertreten durch den Interessenverband Alliance of Motion Picture & Television Producers, kurz: AMPTP) aus. Es war dies ein ähnlicher Wendepunkt für die SAG, wie acht Monate vorher für die Hollywood-Autoren der WGA - es ging im neuen Vertrag vor allem um zukunftsweisende Entscheidung bezüglich der Neuen Medien - Produktionen, die nicht für eine Fernseh- oder Kinoveröffentlichung gedacht waren, und wo neue Entlohnungsmodele, ja gar die Zuständigkeit der Gewerkschaft selbst, festgelegt werden mussten.
Kurzum, nachdem die WGA (und die Schwestergewerkschaften der anderen Berufsgruppen in der Filmschmiede) sich vor Jahren, als es um die Entlohnung von DVD-Verkäufen übers Ohr gehauen fühlten (sie machten die grundlegenden Verhandlungen zu einem Zeitpunkt, in dem das Geschäft noch nicht wirklich rentabel war - ein Jahrzehnt später und nach dem DVD- und Heimvideoboom, der den Produzenten satte Einnahmen in diesem Marktsegment verschaffte, hatten die Produzenten die diesbezügliche Entlohnung immer noch nicht nachbessern wollen), wollten sie diesmal härter verhandeln.
So kam es, dass die Autoren - deren Tarifvertrag von den Hollywood-Gewerkschaften der erste war, der auslief - einen harten Kurs fuhren und schließlich Anfang letzten November in den Streik gingen. Bekanntlich dauerte dieser knapp 100 Tage, und unter Mithilfe der Gewerkschaft der Regisseure und ihrer Gewerkschaft Directors Guild of America wurde ein Kompromiss gefunden, der von beiden Gewerkschaften und schließlich auch von der kleineren Schauspielergewerkschaft AFTRA sinngemäß angenommen wurde.
Nur die Gewerkschaft SAG fuhr schon im Vorfeld einen härteren Kurs, versuchte über die gemeinsamen Mitglieder auf die Entscheidung der Schwestergewerkschaft AFTRA Einfluss zu nehmen und führte weitestgehend unerfolgreiche Verhandlungen mit der AMPTP. Allerdings legte auch die AMPTP erst kurz vor Ablauf des bisherigen Tarifvertrags zwischen beiden Parteien am 30. Juni diesen Jahres ein Angebot vor, das den Kompromissen mit WGA, DGA und AFTRA entsprach.
Aber die Verhandlungsführer der SAG wollten mehr als das, sahen das Arbeitsleben eines Schauspielers anders als das eines Regisseurs oder Autors und wollten daher weitere Zugeständnisse, zudem hatte man bei den Neuen Medien höhere Ziele. Die Produzenten erklärten ihr Angebot als das „beste und letzte“ und weigerten sich, weiter zu verhandeln - insbesondere, als die SAG daraufhin einen Gegenvorschlag vorlegten. So gab es über vier Monate lang keine weiteren offiziellen Verhandlungen - SAG und AMPTP stritten sich lieber über Pressemitteilungen darüber, ob es denn wenigstens inoffizielle Verhandlungen gäbe.
Das interne Problem bei der SAG war, dass sich die aus Hardlinern bestehende Gewerkschaftsführung nicht sicher sein konnte, dass 75% ihrer Klientel in einer Urabstimmung auch wirklich einem Streik zustimmen würden.
Bereits im September hatte die Screen Actors Guild - in der 120.000 Film- und Fernsehschauspieler organisiert sind - ihre Klientel informell befragt, ob sie einer Streikauthorisation für ihre Gewerkschaftsführung zustimmen würde. Obwohl die Gewerkschaftsführung „Informationsmaterial“ beilegte, das nach allgemeiner Einschätzung sehr einseitig gegen den bisherigen Vertragsvorschlag der AMPTP ging, kamen nur 10% der ausgeschickten Antwortpostkarten zurück. Von denen sich aber 87% für eine Streik zur Durchsetzung der Forderungen aussprachen.
Nahezu gleichzeitig wurden bei den stattgefundenen Wahlen aber einige Hardliner aus der Gewerkschaftsspitze abgewählt und gegen mit einem gemäßigteren Programm angetretene Kandidaten ersetzt - also wieder einmal gemischte Zeichen aus der Gewerkschaftsbasis.
Schließlich wandte sich die SAG an einen öffentlich bestellten Mediator, Juan Carlos Gonzalez. Er lud beide Tarifparteien am vergangenen Donnerstag erneut an die Verhandlungstische. So wurde am Donnerstag 12 Stunden, am Freitag nochmals 15 Stunden verhandelt - erneut ohne Ergebnis.
Daraufhin kündigte die SAG an, ihre Basis um eine Streikauthorisation zu bitten. Dabei betonte man allerdings, dass man selbst im Fall einer Zustimmung seitens der befragten Schauspieler nicht sofort streiken wollen würde, sondern zunächst die Streikdrohung nutzen würde, um die Verhandlungen zu beflügeln.
Zum erneuten Scheitern der Verhandlungen hatte man bei der SAG zu sagen, dass die Gegenseite wiederum nur Bedingungen angeboten habe, die die Schauspielergewerkschaft für ihre Klientel einfach nicht „guten Gewissens“ annehmen könne.
„Wir haben bereits schwierige Entscheidungen und Opfer gebracht, um auf eine Übereinkunft hinzuarbeiten“, so die SAG in ihrer Stellungnahme.„Jetzt ist es Zeit für die SAG Mitglieder, zusammen zu stehen und ihrem Nationalen Verhandlungskomitee die Macht zu geben, mit einer möglichen Arbeitsniederlegung im Rücken zu verhandeln.“
Die Antwort der AMPTP bringt zwei Argumente ins Feld. Zunächst wird auf die in den letzten Monaten rapide schwächer gewordene Ökonomie des Landes hingewiesen und dann auf die Tatsache, das zuvor drei andere Gewerkschaften ähnliche Deals angenommen hätten - es also zwei Gründe gibt, warum die SAG keine besseren Konditionen erhalten „könne“ als DGA, WGA und AFTRA.
Bernd Michael Krannich veröffentlichte diese Meldung am Sonntag, 23.November 2008 12.00 Uhr
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