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Californication: Serienstart heute Abend bei RTL II

Heute um 22:15 Uhr startet auf RTL II die amerikanische Serie Californication. Im Zentrum der Comedy steht der momentan unter einer Schreibblockade leidende Erfolgsautor Hank Moody (David Duchovny), der zwischen einem ungehemmten Leben mit Sex and Drugs and Rock'n'Roll und der Verantwortung für seine Teenager-Tochter schwankt - momentan hat das leichte Leben aber klar die Oberhand.


Einst lieferte der Vollblut-New Yorker Hank Moody (David Duchovny) das erfolgreiche Buch God Hates us All ab - auf das er sehr stolz ist. Als es verfilmt wurde, machte das Hank zunächst noch stolzer. Doch leider kam dabei ein weichgespülter Film mit dem Titel Crazy Little Thing Called Love heraus - und das machte Hank - eben ganz New Yorker - wütend. Dessen Erfolg und die daraus resultierende falsche Wahrnehmung als Autor („Sind sie nicht der Autor von 'Crazy little Thing called Love?“) machten ihn noch wütender.

Wütend machte ihn auch die Oberflächlichkeit von Los Angeles, wohin er mit seiner Dauerfreundin Karen (Natasha McElhone) und der gemeinsamen, im jungen Teenageralter befindlichen Tochter Becca (Madeleine Martin) gezogen war. Der Reichtum (und die 'falsche' Popularität als Autor eines Erfolgsfilms) erlaubte ihn, seine Wut auf destruktive Art auszuleben: Untreue, Drogen, Unproduktivität.

Nicht, dass seine Dauerfreundin Karen ein Kind von Traurigkeit wäre - aber irgendwann hatte sie genug. Sie lernte den Geschäftsmann Bill (Damian Young) kennen und zog schließlich mit Becca bei ihm und seiner 16-jährigen Tochter Mia (Madeline Zima, Die Nanny) ein. Hanks Wut erreichte einen Punkt, wo er sie nur noch mit dem Dreierpack aus Alkohol, Hasch und Koks betäuben kann, begleitet von einem ausschweifenden, oberflächlichen Sexleben.

Hier beginnt die Handlung von Californication.

Hank ist ziemlich am Boden und lebt in den Tag hinein. Seine vielfältigen Betäubungsversuche sind so erfolgreich, dass Karen ihm seine Tochter Becca nur noch sehr ungerne anvertraut. Begegnungen zwischen Hank und Karens Lebensgefährten Bill verlaufen immer am Rand der physischen Auseinandersetzung. Hanks Agent (Evan Handler, Sex and the City) - selbst nicht mit einem sonderlich stabilen Eheleben gesegnet - kämpft darum, seinen Klienten wieder zum Schreiben zu bringen. Und Hanks ausschweifendes Sexualleben bringt ihn immer wieder in Schwierigkeiten - oft mit überraschend früh zurückkehrenden Ehemännern seiner One-Night-Stands.

Kurz nacheinander hat er jedoch mehrere Tiefschläge zu verdauen, die ihn ins Grübeln bringen. Zunächst findet seine Tochter bei einem Besuch der väterlcihen Wohnung überraschend eine nackte Frau in Hanks Bett vor - seine Gelegenheits-Freundin, die sich mit ihm versöhnen will.

Bei einer seiner Aufreißtouren - das Buch mit seinem Bild auf dem Schutzumschlag in der Hand in einer Buchhandlung wendend - begegnet Hank einer jungen Frau, die er mit nach Hause nimmt. Nicht nur sexuell ist die junge Dame aggressiv - zum Höhepunkt verpasst sie Hank ein blaues Auge. Schockiert ist der Schriftsteller, als er herausfindet, dass es sich dabei um die Tochter von Bill handelt (die Hank bis dahin noch nicht kennen gelernt hatte) - denn die ist bekanntlich erst 16 (und so tief gesunken, dass ihn ihr junges Alter kalt lassen würde, ist Hank dann doch nicht).

Und schließlich lässt Karen zwischen ihren Schimpftiraden durchblicken, dass sie Hank noch nicht abgeschrieben hat, und er immer noch einen Platz in ihrem Herz hat, wenn er, ja wenn er sich nur am Riemen reißen würde. Andererseits deutet sich aber auch eine baldige Hochzeit mit Bill an - ein Beziehungsschritt, den Hank immer vermieden hat.

Bemerkungen

Nicht von ungefähr kommen Sex und Drogen in der Serienbeschreibung von Californication recht häufig vor, den Hanks Leben besteht - zumindest Anfangs - hauptsächlich daraus (und aus dem Präsentieren seines schicken Flitzers). Und die beständige Gefahr des Rückfalls in die Leichtigkeit des unverbindlichen Sexes mit weitestgehend unbekannten Partnerinnen sowie des Betäubens seiner Gefühle mit Drogen - und beides auch gerne kombiniert - ist es, was Hanks Leben in seinem Kampf um Exfreundin und Tochter bestimmt.

Fast könnte man mit dem charismatischen Schlitzohr Hank Mitleid haben - wenn er seine Fehl- und Rückschläge nicht selbst mit viel Selbstironie nehmen würde, und die einzige Person, vor der er sich lächerlich macht, weitestgehend er selbst wäre.

Zwischen dem Leben von Hank und seinem Kampf um seine große Liebe Karen steht noch das Ehepaar Runkle - Hanks Agent und dessen Frau Marcy (Pamela Adlon, Lucky Louie) - die beide ebenfalls keine Kinder von Traurigkeit sind. Während Marcy der Floh in Karens Ohr ist, der sie immer wieder daran erinnert, dass Hank eben auch ihre große Liebe ist, ergeht sich Charlie in seiner eigenen Form der Midlife Crisis - was ein gefährliches Spiel sexueller Macht mit seiner Assistentin beinhaltet.

Zwischen dem allen die beiden jungen Mädchen: Becca, durch den Lebenswandel ihrer beiden Eltern zwar mitgenommen, aber im Herzen trotz äußerlicher dunkler Kutte doch immer noch optimistisch und in der Hoffnung, das ihre Eltern wenigstens Freunde bleiben können, wenn nicht noch mehr; und Dani, die sich als äußerlich geschickt täuschende, kurvige und manipulative Lolita entpuppt - schließlich wusste sie, mit wem sie da ins Bett ging.

Bei all dem darf man nicht vergessen, dass Californication unter dem Oberbegriff Comedy läuft. An skurrilen Situationen wird also nicht gespart. In den USA wird die Serie für den Bezahlsender Showtime produziert - auf dem die Serie zunächst im Doppelpack mit Weeds lief. Und was jene Serie für den Umgang mit Drogen und Kleinbürgerlichkeit ist, ist Californication für das scheinbare dulce via und oberflächliches Sexualleben.

Als Serie für das amerikanische Bezahl-Fernsehen brauchte sich Californication keine Sorgen um den Jugendschutz zu machen - das dürfte in der deutschen Ausstrahlung möglicher Weise etwas anders sein.

Wenn sich jetzt ein Musikkenner fragt, ob der Titel der Serie etwas mit dem gleichnamigen Album der Band Red Hot Chilli Peppers zu tun hat - die gleiche Frage brachte die Band kurz nach Serienstart auch auf. Natürlich mit dem Hintergrund, dass niemand sie gefragt hatte, ob man den Titel ihres Albums verwenden dürfe, weswegen ihnen jetzt Entschädigung zustände. Da es sich bei dem Begriff Californication jedoch um einen stehenden, wenn auch vor dem Peppers-Album wenig gebräuchlichen, Begriff handelt - der eben eine gewisse Leichtigkeit des Seins im Leben der (Süd-)Kalifornier beschreibt - konnte die Sache schließlich außergerichtlich beigelegt werden.

In den USA läuft dieser Tage die zweite Staffel der Serie an.

Fazit

Sicherlich ist Californication mit seiner Freizügigkeit und den Ausschweifungen nicht jedermanns Sache. Wie Weeds' Nancy Botwin macht auch Hank Moody eine Gratwanderung durch, in dem der jeweilige Protagonist sich für viele Zuschauer von der verstehbaren Ebene entfernt. Aber ebenso sind beide in ihrem Bestreben nicht ungebremst, völlig morallos.

Insofern lohnt es sich für Freunde intensiver Serie durchaus, einen Blick zu riskieren - angewidert abwenden kann man sich im Zweifelsfall ja immer noch. Und wer durch das viele nackte äußerliche Fleisch zu schauen vermag, der kann innen ein ein sehenswertes Charakterspiel finden.

Bernd Michael Krannich veröffentlichte diese Meldung am Montag, 29.September 2008 01.00 Uhr

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