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Upfronts 2008: NBC - Revolution oder Rohrkrepierer?

US-Network NBC hat heute in New York sein Programm für die kommende Season vorgestellt: Inhaltliche Überraschungen waren angesichts der – streikbedingt – sehr überschaubaren Anzahl von neuen Serien keine dabei . Die Zusammenstellung der Sendungen ist dagegen – gelinde gesagt – verblüffend.


Es ist ja nicht so, als hätten Ben Silverman, seines Zeichens Entertainment-Chef von NBC, und sein Boss, Konzernmaximus Jeff Zucker, es vorher nicht angekündigt: Diesmal würde alles anders werden. Keine Upfronts wie jede andere. Sechs Wochen vor allen anderen. Damit sind sie wohl die einzigen zwei Männer auf diesem Planeten, die es fertig gebracht haben, ihr Zu-früh-kommen sogar noch als Innovation auszugeben. Man wolle ohnehin jetzt noch kein in Stein gemeißeltes Programm bekannt geben, sondern lediglich eine Diskussionsgrundlage für die Gespräche mit den Werbekunden schaffen.

Nun ja, zu besprechen wird es einiges geben. Denn das erste Programm, für das Silverman als neuer NBC-Chef die volle Verantwortung trägt, ist von seiner Konzeption her... sagen wir mal: gewöhnungsbedürftig. Es setzt den Schwerpunkt nicht, wie dies seit Jahrzehnten Usus ist, in der Vertikalen, sondern – bezogen auf den Wochenverlauf – in der Horizontalen. Das ist entweder ein Geniestreich, mit dem Silverman tatsächlich die Revolution des US-Fernsehens gelingt. Oder der sichere Fahrplan, um NBC in den Einschaltquoten noch weiter abstürzen zu lassen. Die US-Zuschauer werden darüber mit ihrer Fernbedienung abzustimmen haben.

Doch der Reihe nach: Kerngedanke des neuen NBC-Programms ist das Branding bestimmter Programmstunden: 20 Uhr gilt als „Familienstunde“, 21 Uhr als „Blockbuster-Stunde“ und ab 22 Uhr widmet man sich „Erwachsenen-Themen“. Dahinter steht die Überlegung, dass die Werbeindustrie weniger daran interessiert ist, wann und wo konkrete Sendungen laufen, als vielmehr, dass zu bestimmten Zeiten das für die jeweiligen Branchen und Produkte richtige Publikum vor dem Fernseher sitzt.

Aus einer eher zuschauerorientierten Perspektive treibt diese Art der Programmgestaltung von NBC für die kommende Season kuriose Blüten: Da wird mittwochs und freitags die fraglos sehr erfolgreiche Gameshow Deal or No Deal um 21 Uhr mitten zwischen zwei Dramaserien platziert. Deal or No Deal ist für NBC sicherlich das Äquivalent eines Blockbusters. Und 21 Uhr ist die neue „Blockbuster-Stunde“. Doch fragt sich der geneigte Beobachter trotzdem etwas irritiert, wie bei dieser Art der Programmierung der berühmte audience flow entstehen soll, der ja das Kernanliegen der bisher praktizierten Blockprogrammierung gewesen ist. Würde ich mir als US-Zuschauer tatsächlich hintereinander Knight Rider, Deal or No Deal und Lipstick Jungle anschauen, wie dies NBC am Mittwoch von seinem Publikum offenbar zu erwarten scheint? Wohl eher nicht.

Ähnlich seltsam ist die Kombination der neuen Abenteuerserie Robinson Crusoe mit Deal or No Deal und der ungleich ernsteren Dramaserie Life am Freitag. Auch der Dienstag gleicht einem Gemischtwarenladen: Es geht los mit der 90-minütigen Familienshow The Biggest Loser, bevor die neue Sitcom Kath & Kim zum Krimiklassiker Law & Order: SVU überleitet. Okay, so ähnlich hat das auch mit Samantha Who? letzte Season auf ABC funktioniert. Allerdings waren es da zwei Show- bzw. Realityformate, zwischen denen die Serie als Scharnier funktionierte (und später ohne Dancing With the Stars als Lead-In dann etwas im Regen stand).

Immerhin: So ganz aufgegeben hat man die Blockprogrammierung auch im Hause Silverman nicht. Der Donnerstag bleibt mit seinem Sitcom-Block und dem anschließenden ER unangetastet. Und der Montag könnte in der Kombination der auf Leichtigkeit und Action angelegten Serien Chuck, Heroes und My Worst Enemy (Christian Slater findet heraus, dass er selbst ein geheimes Doppelleben als Agent führt) durchaus funktionieren.

Etwas einsam und abgeschlagen fristet die neue Dramaserie Kings, die die König-David-Geschichte aus der Bibel in die moderne Welt überträgt, am Sonntag ihr Dasein hinter den Sunday Night Football-Ausstrahlungen.

Fazit

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Progammaufstellung von NBC in den kommenden Wochen und Monaten noch einige Änderungen erfahren wird, spätestens wenn die Konkurrenz im Mai ihre Upfronts (zur üblichen Zeit) abhält. Die Umstellung auf eine primär horizontale Programmsturkturierung scheint dagegen ein längerfristiges strategisches Projekt zu sein. Ob sich das für NBC jedoch tatsächlich bezahlt machen wird, bleibt abzuwarten.

Christian Junklewitz veröffentlichte diese Meldung am Mittwoch, 2.April 2008 22.00 Uhr

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