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Kolumne - spezial: Daleks in Deutschland

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ProSieben macht mit „Doctor Who“, woran die Daleks schon seit Jahrzehnten scheitern: „Exterminate!Die Fastenzeit hat begonnen - und prompt setzt ProSieben uns auf (Serien-) Diät. Mit Wirkung zum 16. Februar nimmt der Sender die britische Kult-SF-Serie Doctor Who aus dem Programm. Ein wehmütiger Nachruf von Christian Junklewitz.


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Woran liegt es nur, dass Doctor Who in Deutschland keinen Fuß auf den Boden bekommt? Es scheint fast so, als säßen hier bei uns die Daleks an der Fernbedienung, die ärgsten Widersacher des Doktors, welche - Zufall oder nicht - in den 60er Jahren in Anlehnung an Nazi-Deutschland konzipiert wurden.

So gerne ich es auch täte: Einen Vorwurf kann ich ProSieben eigentlich nicht machen. Fünf Prozent Marktanteil in der Zielgruppe - das kommt einer Bankrotterklärung gleich. Natürlich hätte man sich wünschen können, dass der Sender der Serie mehr Zeit eingeräumt hätte, um ihr Publikum zu finden. Doch die Zeit, ein Format aufzubauen und zu entwickeln, wird in der Ära des Controller-Fernsehens, wie es der frühere Sat.1-Chef Roger Schawinski genannt hat, ohnehin immer knapper. Entsprechend nervös sind die Programmstrategen der TV-Sender, wenn eine Serie nicht sofort beim Publikum ankommt. Allein in den letzten drei Wochen hat der Friedhof der Quotenleichen ungeahnten Zuwachs erhalten (u.a. Die Anwälte, Herzog und Das iTeam).

Schnell wird der Ruf laut, dass der Sendeplatz von Doctor Who bei ProSieben falsch gewählt war. Und das ist ohne jede Frage richtig. Als ich vorvergangene Woche den Serienstart live im Fernsehen verfolgt habe (ich hatte die synchronisierte Pilotepisode zwar schon auf der Presse-DVD gesehen - davon, dass die Serie jetzt tatsächlich im deutschen Fernsehen läuft, wollte ich mich jedoch mit eigenen Augen überzeugen!), da schaltete ich während der letzten fünf Minuten von Freddie rein. Und als dann plötzlich Doctor Who anfing, hat sich irgendetwas in meinem Inneren zusammengezogen und mir war nur eins auf der Stelle klar: Das passt nicht. Der Sitcom-Block und Doctor Who - das ist vollkommen inkompatibel.

In der Theorie mag diese Programmierung eine gute Überlegung gewesen zu sein. Tatsächlich erinnere ich mich daran, wie ich mir noch bei der Ankündigung des Sendeplatzes von Doctor Who gedacht habe, dass die Wahl des Samstagvorabends eine der intelligenteren Programmentscheidungen von ProSieben gewesen ist. Immerhin hatte man zuvor mit Kyle XY auf diesem Sendeplatz bereits eine andere humorvoll-familienaffine Science-Fiction-Serie im Programm, die - so sollte man meinen - hervorragend dazu geeignet wäre, das Publikum des Sitcom-Blocks in das Abendprogramm überzuleiten. Und wenn Kyle XY das gelungen wäre, dann hätte die vom Zielpublikum her ähnlich gelagerte britische Serie doch daran anknüpfen können. So weit die Theorie.

In der Wirklichkeit sah es jedoch so aus, dass zwischen dem Sitcom-Block und Kyle XY ein schlicht miserabler audience flow herrschte, wovon die stetig sinkenden Einschaltquoten der US-Serie zeugten. Offensichtlich ist das Publikum der ProSieben-Sitcoms am Samstag selbst dann nicht an Science Fiction interessiert, wenn sie mit einem ausgesprochen leichten und massenattraktiven Anstrich daherkommt. Möglicherweise sind auch, das war jedenfalls mein Eindruck, die Stimmungslage und die Atmosphäre der Formate zu verschieden, um in Kombination miteinander funktionieren zu können. Als Doctor Who auf dem alten Sendeplatz von Kyle XY startete, hatte die Serie nichts, worauf sie aufbauen konnte. Kein passendes Lead-In. Kein gar nichts. (Zu allem Überfluß wurde die Serie wegen des frühen Programmplatzes und der dort geltenden Jugendschutzauflagen in einer übel zugerichteten, d.h. geschnittenen Fassung ausgestrahlt.)

Doctor Who war auf sich allein gestellt. Und das konnte nicht gut gehen. In Deutschland ist der Doktor einfach zu unbekannt, um von sich aus ein großes Publikum anziehen zu können. Da helfen dann auch das beste Review auf Serienjunkies („Doctor Who: Review zur Pilotepisode“ - Meldung vom 25.01.2008) sowie eine private E-Mail-Aktion im Freundeskreis nicht weiter. Fakt ist: In den Ländern, in denen Doctor Who erfolgreich läuft, kann die Serie meist - sogar im Falle der USA - auf eine jahrzehntelange Tradition verweisen. Das ist in Deutschland nicht der Fall. Schande über das öffentlich-rechtliche Fernsehen, welches uns die Serie über Jahrzehnte vorenthalten hat!

Immerhin hat das etwas Tröstliches: Doctor Who ist nicht deshalb gescheitert, weil das deutsche Publikum sich gegen die Serie entschieden hätte. Die Wahl des Sendeplatzes hat effektiv verhindert, dass die Serie überhaupt ein Publikum finden konnte. Wenn ich nun trotzdem sage, dass ich ProSieben keinen Vorwurf mache, dann deshalb, weil es - anders als in den meisten Fällen - bei der Wahl des Programmplatzes von Doctor Who für mich zumindest den Anschein hatte, dass dahinter ein guter Gedanke steckte, der sich dann jedoch leider als falsch erwiesen hat.

Tragisch ist der frühe Quotentod von Doctor Who auch in der Hinsicht, dass dadurch die Chancen sinken, dass manch andere Qualitätsserie von der Insel zu uns finden wird (an erster Stelle natürlich die beiden Spin-Offs Torchwood und The Sarah Jane Adventures). Denn außer den sehr erfolgreichen englischen Krimiserien auf dem ZDF (wie z.B. Prime Suspect) läuft derzeit ja nicht sehr viel aus UK auf deutschen Sendern. Dabei ließe sich argumentieren, dass das britische Fernsehen qualitativ derzeit sogar den Kollegen aus den USA - mindestens - Paroli bietet.

Fazit

Ist Doctor Who in Deutschland endgültig am Ende? Ich will es nicht hoffen. Zu traurig wäre es, wenn ausgerechnet diese vielleicht größte TV-Errungenschaft aus England den hiesigen Zuschauern vorenthalten bliebe. Nötig wäre jedoch, dass ProSieben (oder ein anderer Sender) die Serie noch einmal in einem science-fiction-affinen Block platziert - und ihr dann die Zeit gibt, in Deutschland überhaupt erst einmal ein Publikum zu finden. Sollte das nicht geschehen, bleibt den Fans hierzulande wohl nur die DVD-Veröffentlichung.

Immerhin: Von den in meinem Review so gescholtenen Studenten der Fernsehwissenschaft, die sich in einem Seminar so despektierlich über Doctor Who geäußert hatten, haben zwei inzwischen klargestellt, dass ihnen die gezeigte Episode gefallen habe. Für mich ist das ein Hoffnungsschimmer, der signalisiert: Die Daleks haben in Deutschland noch lange nicht über den Doktor obsiegt!

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Christian Junklewitz veröffentlichte diese Meldung am Mittwoch, 6.Februar 2008 15.30 Uhr


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