0Letzte Woche feierte die Serie „In Justice bei ABC ihre Premiere. Christian Junklewitz hat sich die Pilotfolge angesehen und sich so seine Gedanken gemacht
Inhal
Jane McDermott sitzt sei 11 Jahren im Gefängnis, nachdem sie von einem Gericht für den Mord an ihrem Vater verurteilt wurde. Sie soll damals, während sie noch ein Junkie war, in das Haus ihrer wohlhabenden Eltern eingebrochen sein und ihren Vater, der sie dabei überraschte, erschossen haben
Den Einbruch hat sie auch stets zugegeben – allerdings darauf bestanden, dass der schon zwei Tage früher statt gefunden hätte. Für die Zeit, als ihr Vater getötet wurde, wollte sie ein Alibi besitzen – eine andere Drogenabhängige, die sich jedoch als unauffindbar erwies. Erschwerend kam hinzu, dass ein Nachbar sie einwandfrei beim Verlassen des Hauses identifziert hatte
Verzweifelt über die Aussicht noch mindestens 9 Jahre im Gefängnis zu verbringen, wendet sich Jane an das National Justice Project. Jon, einer der Anwälte, die die eingehenden Fälle überprüfen, ist zwar zunächst mehr als skeptisch, seine neue Kollegin Sonya hingegen glaubt der Frau. Und tatsächlich ergibt sich schon bald eine Spur, was mit Janes Alibi passiert sein könnte..
Chefermittler Conti hat sich unterdessen bereit erklärt, seiner Ex-Frau einen Gefallen zu tun: Damit diese wieder kirchlich heiraten kann, geht er mit ihr zu einem Priester und beichtet, dass er (angeblich) vom ersten Tag der Ehe an untreu gewesen sei, um auf diesem Weg eine Annullierung zu erreichen. Dies erweist sich jedoch als schwieriger denn gedacht..
Hier geht es zu einer ausführlichen Serienbeschreibung von „In Justice
Kriti
Man kann das Rad nicht neu erfinden. Das gleiche gilt wohl auch für Krimiserien. Entsprechend kommen einem die Grundelemente von „In Justice sehr bekannt vor: Sowohl was die Figuren (der exzentrische Chef, der entschlossene Anführer, das sich kabbelnde Duo, das unerschrockene Greenhorn) als auch die Erzählmuster (z.B. die klar angedeutete Remarriage-Komödie zwischen Conti und seiner Frau) betrifft
Und auch der Umstand, dass die zu ermittelnden Fälle etwas weiter in der Vergangenheit zurückliegen, stellt nur eine geringfügige Variation althergebrachter Krimiplots dar
Die Auflösung des Falles in der Pilotfolge ist zwar reich an Wendungen, die allerdings zum Teil auch ein bißchen vorhersehbar sind: So ist es doch ziemlich offensichtlich, dass der Verdacht gegen Janes Bruder nach etwa einem Drittel der Episode eine Finte ist (obwohl oder gerade weil er bis zu diesem Zeitpunkt derart unsympathisch gezeichnet wurde)
Auf der formalen Ebene gibt sich die Serie weitestgehend konservativ: Kein Spiel mit Erzählkonventionen, keine ungewöhnlichen Einstellungen oder Montagen. Das einzige auffällige Stilmerkmal ist die Rückblende am Anfang der Episode, in der die Ereignisse so gezeigt werden, wie sie zur Verurteilung geführt haben, bevor sie am Ende mit dem wahren Tathergang kontrastiert werden. Mag „In Justice auch wenig Neues bieten, so mangelt es der Pilotfolge doch nicht an Unterhaltungswert. Dies liegt sicher auch und vor allem daran, dass die Vorstellung, unschuldig im Gefängnis zu sitzen oder gar – wie es in den USA möglich ist – zum Tode verurteilt zu werden, zum wohl schlimmsten Alptraum eines jeden Menschen gehört
Vor allem das sensible, unaufgeregte Spiel von Gastdarstellerin Marin Hinkle bringt dem Zuschauer diesen Schrecken nahe – und weckt auf der anderen Seite große Sympathie für diejenigen, die sich dafür einsetzen, dieses Unrecht wieder gut zu machen
Was die Zukunft der Serie angeht, so darf man gespannt sein, ob es die Autoren wagen werden, sich auf das – in den USA politisch brisante – Feld der Todeskandidaten zu begeben, was die Thematik von „In Justice ja eigentlich erst voll zur Entfaltung bringen würde. Doch auch so ist es angenehm zu beobachten, dass eine Serie einmal die Fehlerhaftigkeit der Justiz in den Mittelpunkt stellt, was ganz automatisch den Absolutheitsanspruch all jener untergräbt, die für die Todesstrafe plädieren
Für etwas Abstand und Abwechslung von der Ernsthaftigkeit und Schwere des Haupthandlungsstrangs sorgt die Story um Conti und seine Ex-Frau, was – ohne unpassend zu wirken – etwas Leichtigkeit und Humor in die Episode bringt. Zu letztgenanntem trägt auch Kyle MacLachlan (Agent Cooper lässt grüßen!) nicht unwesentlich bei – wie auch der Umstand, dass die Ermittler vom National Justice Project – zumal verglichen mit ihren Kollegen von „C.S.I. – einen geradezu amateurhaften Charme verbreiten, wenn sie im Halbkreis um eine Tafel stehend, mit farbigen Filzstiften die Beweise für und wider die Schuld ihrer Klientin notieren
Fazi
Kein Meilenstein, aber solide, spannend erzählte Krimiunterhaltung mit sympathischen Figuren und einer humanistischen Grundbotschaft.
Christian Junklewitz veröffentlichte diese Meldung am Sonntag, 15.Januar 2006 12.39 Uhr
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